Zwei Jahre auf Bewährung für Vergewaltigung Prostituierter

Schwalm-Eder/Marburg.  Nur sein umfassendes Geständnis und die deutlich erkennbare Reue hat einen 42-jährigen Berufskraftfahrer aus dem Kreisteil Melsungen am Montag vor einem längeren Gefängnisaufenthalt bewahrt.

Wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung, versuchter sexueller Nötigung und Körperverletzung in sechs Fällen, begangen vom September 2009 bis Juli 2010 in Frielendorf und Frankenberg, verurteilte das Marburger Schöffengericht den Mann zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Die Strafe setzte Richter Dr. Carsten Paul für vier Jahre zur Bewährung aus.

In einer nach außen hin glücklichen Familie lebte der Familienvater, der seit 21 Jahren verheiratet war. Ein Häuschen war gebaut worden, er verdiente den Lebensunterhalt, die Frau war für den Haushalt und die Regelung der Finanzen zuständig. Er bekam von ihr regelmäßig ein kleines Taschengeld.

Bei zum Teil nächtlichen Auslieferungsfahrten als Lkw-Fahrer nahm der Mann die Dienste von Wohnungsprostituierten in Anspruch, das nötige Geld hatte er aber nicht. Die Inanspruchnahme eines oder mehrerer größerer Beträge wären seiner Frau sofort aufgefallen. „Für mich war also jedes Mal klar, dass ich nicht bezahlen würde“, gestand der Lkw-Fahrer. Deshalb ging er immer nach der selben Masche vor.

Stets rief er vorab bei der Prostituierten an und überzeugte sich beim Betreten der Wohnung, dass die Frau allein war. Zwei Mal vergewaltigte er die Frau. In weiteren Fällen blieb es beim Versuch oder die Prostituierten vertrieben den Täter durch Gegenwehr und lautes Hilfe-Rufen. Im August 2010 wurde der 42-Jährige festgenommen und saß drei Wochen in Untersuchungshaft. „Diese Zeit hat bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen und mich geläutert“, sagte der Mann vor Gericht und machte einen reuigen, zerknirschten Eindruck. „Prostituierte interessieren mich nicht mehr. Mir reicht das, was ich getan habe für den Rest meines Lebens“, erklärte er unter Tränen

Das umfassende Geständnis des nicht vorbestraften Mannes, eine bereits begonnene Psychotherapie, die günstige Sozialprognose sowie die schwierigen Lebensumstände - seine Frau ist inzwischen gestorben - veranlassten die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer, „mit Bauchschmerzen“ noch eine Bewährungsstrafe zu beantragen.

Richter Dr. Carsten Paul schloss sich an. Zusätzlich unterstellte er den 42-jährigen einem Bewährungshelfer und legte ihm auf, die Psychotherapie fortzusetzen. Der Mann nahm das Urteil an und verließ sichtlich erleichtert den Gerichtssaal.

Quelle: HNA

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