Medizinische Versorgung von morgen in der Provinz beschäftigt Deutsche und Franzosen

Zwei Länder, ein Problem

Der Anfang ist gemacht: Eine deutsch-französische Vereinbarung zur Entwicklung von Strategien für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum wurde im Kreishaus Kassel unterzeichnet. Im Bild (v. l.) Bertrand Souquet (Krankenkasse MGEN), Vizelandrätin Susanne Selbert, Eric Correia (LEADER-Region Pays Guéret) und Rüdiger Henne (Leader-Region KulturLandschaftHessenSpitze). Foto: Binienda-Beer

Wolfhager Land. Die Zahl alter und damit auch kranker Menschen wächst stetig, die der Hausarztpraxen auf dem flachen Land nimmt dagegen kontinuierlich ab.

Ein Dilemma droht in nicht mehr allzu ferner Zukunft. Schon heute sind neue Konzepte gefragt, um eine ausreichende und wohnortnahe medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern.

Dabei gucken die Kreisteile Hofgeismar und Wolfhagen, zusammengefasst in der so sogenannten LEADER-Region (siehe Stichwort) KulturLandschaftHessenSpitze, weit über den Tellerrand bis nach Frankreich. Mit der französischen LEADER-Region „Pays de Guéret“ im Département Creuse, die vor den gleichen Anforderungen steht, ist jetzt im Kreishaus in Kassel eine Kooperation zur Zukunft der medizinischen Versorgung in der Provinz geschlossen worden. Sechs Vertreter aus der Region unweit von Limoges waren dazu angereist.

Gemeinsame Strategien

Sie informierten sich ausführlich im Gesundheitsamt Region Kassel, besuchten ein Kasseler Telemedizin-Unternehmen und führten Grundlagengespräche mit den nordhessischen Partnern. Das Kooperationsprojekt strebt nach gemeinsamen Strategien zur Stabilität der medizinischen Versorgung auf dem Land auch in 20 Jahren.

Bei ähnlich gelagerter Problematik wollen die beiden ländlich strukturierten Regionen innovative Wege zur Sicherung der medizinischen Versorgung ihrer Bevölkerung ansteuern, dabei den engen Gedanken-, Erfahrungs- und Wissensaustausch pflegen. Stichwort Tele-Medizin (siehe Hintergrund): Mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien könnte künftig die räumliche Distanz zwischen Patient und Arzt, aber auch zwischen Haus- und Facharzt, überbrückt werden, eine Vernetzung mit Kliniken inbegriffen.

Kinderkrankheiten

Auf diesem Zukunftssektor im Gesundheitswesen ist Frankreich den Deutschen bereits ein Stück voraus. Kinderkrankheiten bei Einführung der Telemedizin sollen im Nachbarland optimiert werden. Die bereits gewonnenen Erkenntnisse könnten auf deutscher Seite genutzt werden.

Im Zuge der Kooperation wollen beide Regionen Experten-Workshops veranstalten und noch zu entwickelnde Projekte testweise umsetzen. Beabsichtigt ist etwa mit Blick auf die Tele-Medizin ein Schwerpunkt bei der zahnmedizinischen Versorgung älterer Menschen. Ein erstes gemeinsames Seminar unter Beteiligung der Kasseler Gesundheitsamtsleiterin Dr. Karin Müller soll Ende März in Frankreich stattfinden.

„Für uns ist das eine gute Gelegenheit, unsere Erfahrungen rund um das Thema Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum einzubringen und gleichzeitig von den Strategien unserer französischen Partner zu profitieren“, sagte der Vorsitzende der hiesigen LEADER-Region-Aktionsgruppe, Oberwesers Bürgermeister Rüdiger Henne. Auf französischer Seite zeigte sich Eric Correia erfreut, nach europaweiter Suche in Deutschland eine Partnerregion für die Kooperation gefunden zu haben.

Siehe auch Hintergrund links

Quelle: HNA

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