Küsterehepaar Uta und Helmut Boll kümmerte sich über 20 Jahre um Deuter Kirche

Zwei liebevolle Betreuer

Über 20 Jahre eng verbunden: Das Ehepaar Uta und Helmut Boll vor seiner Kirche in Deute, die sie als Küster sehr gut kennen lernten. Foto: Lange-Michael

Deute. Der Hortensienstrauch neben dem Eingang der Kirche in Deute ist schon ein wenig verblüht. Vielleicht ist er ein wenig traurig, symbolisch gesehen, denn die beiden, die ihn über viele Jahre gepflegt und gehegt haben, werden das künftig nicht mehr tun: Das Ehepaar Uta und Helmut Boll, seit über 20 Jahren als Küster für Kirche und deren Umgebung zuständig, wurde jetzt in den Ruhestand verabschiedet.

Nun ja, was heißt hier Ruhestand: Den gesetzlichen hatten sie schon längst erreicht mit 79 (Uta) beziehungsweise 84 Jahren. Doch um ihre Kirche mitten im Dorf kümmerten sie sich seit 1993, sonntags wie wochentags, zuverlässig und liebevoll.

Freundlicher Empfang

„Sie haben diese Kirche wirklich verwöhnt“, sagte auch Pfarrerin Jana Roske-Voß bei der offiziellen Verabschiedung der Bolls im Gottesdienst. Und Andrea Clobes vom Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Brunslar/Wolfershausen/Deute ergänzte: „Zur Eingangsschwelle unserer Kirche gehört für mich Herr Boll untrennbar dazu. Wer zum Gottesdienst kommt, wird dort freundlich von ihm empfangen.“

Das wird künftig nicht mehr so sein, auch wenn Helmut Boll das ein oder andere Mal in Vertretung die Küsterdienste verrichten wird. Eine richtige Nachfolge gibt es jedoch noch nicht.

Wie kam es eigentlich damals dazu? „Wir waren schon lange, seit 1971, im Kirchenvorstand, und dann waren wir plötzlich Küster“, meint Helmut Boll lapidar. Zunächst seien es nur Frauen gewesen, aber „die brauchen doch mal einen Mann zur Unterstützung“, sagt er. Etwa, wenn der Weihnachtsbaum vor dem 24. Dezember aufgestellt werden muss.

Als Küster Helmut Horstmann sich dann zurückzog, gab es eine Weile verschiedene, die aushalfen. Mit dem Ehepaar Appelt wechselten sich die Bolls zunächst ab, bis Herbert Appelt 2005 plötzlich starb.

Im Laufe der Jahre wurden die vielen Handreichungen und Dienstleistungen, die ein Küster für seine Kirche übernimmt, eine Selbstverständlichkeit für das Ehepaar. Sie bereiteten jeden Gottesdienst vor, schmückten den Altar, hingen die farbig passenden Antependien auf. „Das alte Sargtuch etwa nehmen wir an Karfreitag und legen es auf den Altar“, erzählt Uta Boll. An dem Tag sei schwarz angesagt.

Sie zündeten rechtzeitig die Altarkerzen an, läuteten die Glocken im Gottesdienst, steckten die Ziffern für die Lieder, die gesungen werden sollten, schrieben manchmal sogar die Nummern auf Zettel, wenn jemand die Anschläge nicht mehr lesen konnte und erledigten vieles mehr.

„Wir haben jetzt sogar Schränke, in denen die vielen Gegenstände aufbewahrt werden“, erzählt Helmut Boll. Das sei nicht immer so gewesen. Eine spezielle Deuter Tradition haben sie beibehalten: An den Tagen, wenn jemand in Deute beerdigt wird, läuten schon um 6 Uhr die Glocken – das muss per Hand initiiert werden. Die regelmäßigen täglichen Zeiten – 7, 12 und 18 Uhr – sind einprogrammiert.

Werden sie nun die sonntäglichen Pflichten vermissen? Ein wenig schon, sagen sie. Das geht den Gottesdienstbesuchern sicher genauso mit den Bolls.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare