HNA-Interview zur Schuldebatte in Willingshausen

Neupärtl: „Zweidrittel für Neubau“

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Wie stehen die Zeichen?: Das Willingshäuser Parlament empfiehlt dem Kreistag den Neubau einer gemeinsamen Grundschule an der Antreffhalle. Das stößt insbesondere in Wasenberg auf Widerstand. Hier die Schulgebäude in Merzhausen, Loshausen und Wasenberg.

Weiterhin wird der Bau einer gemeinsamen Grundschule in Willingshausen kontrovers diskutiert. Wir sprachen darüber mit Landrat Frank-Martin Neupärtl.

Herr Neupärtl, welche verschiedenen Möglichkeiten einer gemeinsamen Grundschule in der Großgemeinde Willingshausen gibt es?

Frank-Martin Neupärtl: Nachdem die Gemeindevertretung im Jahr 2011 einstimmig beschlossen hat, dass eine gemeinsame Schule an einem Standort geplant werden soll, war für uns klar, dass die Variante „Kleeblatt-Schule“ für die Gemeinde Willingshausen nicht in Frage kommt.

Was spricht aus Ihrer Sicht für einen Neubau in der Nähe der Antreffhalle ?

Neupärtl: Nun, zu allererst die Tatsache, dass sich die Gemeindevertretung mehrheitlich für diesen Standort entschieden hat. Nicht unerheblich sind auch die Kosteneinsparungen, die mit jährlich ca. 20 000 Euro bei der Variante Antreffhalle zu Buche schlagen. Mir ist aber auch wichtig, dass gerade weil die Situation in Willingshausen so angespannt ist, mit einem Neubau die Chance eröffnet wird, dass alle Ortsteile ihre Standorte aufgeben und alle neu anfangen müssen. Die Nähe der Sporthalle erleichtert die Umsetzung eines ganztägigen Angebotes an der neuen Schule.

Wie erklären Sie sich die außerordentlich emotional geführte Diskussion um eine neue Grundschule für Willingshausen?

Neupärtl: Ich habe großes Verständnis dafür, dass die Menschen sich für den Erhalt ihrer Grundschulen einsetzen. Was ich aber nicht verstehe ist folgendes: Es war der ausdrückliche Wunsch aller Schulen in der Gemeinde Willingshausen, eine gemeinsame Schule zu bilden. Weder der Landkreis noch das Kultusministerium haben hier Vorgaben gemacht. Ich denke auch, dass 40 Jahre nach der kommunalen Gebietsreform einige Wunden immer noch offen sind und so eine sachliche Debatte erschwert wird.

Immer wieder taucht der Vorwurf auf, der Landkreis habe nicht ausreichend informiert. Was sagen Sie dazu?

Neupärtl: Diesen Vorwurf kann ich gar nicht akzeptieren. Auf Wunsch der Gemeinde Willingshausen sind wir aktiv geworden. Zunächst wurde gemeinsam mit den Schulleitungen und dem Staatlichen Schulamt besprochen, welche pädagogischen Konzepte in der neuen Schule umgesetzt werden sollten und welche Auswirkungen diese Vorstellungen auf den Raumbedarf haben. Frau Baar, die Leiterin der Schulverwaltung, hat dann bei einem Elternabend im Frühjahr erläutert, nach welchen Kriterien die Machbarkeitsstudie durch das extern beauftragte Büro abgearbeit werden soll.

Das heißt, die Eltern waren immer mit im Boot?

Neupärtl: Das Ergebnis der Studie wurde mit den Schulleitungen, den Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern und abschließend erneut bei einem Gespräch vorgestellt. Mit den Eltern und dem Ortsbeirat in Trutzhain fand ein gesonderter Termin sehr frühzeitig statt, um diese Situation zu besprechen. Insgesamt also sechs Termine.

Wie muss man sich die Befragung der Eltern vorstellen? Wurden die Eltern aller Grundschulkinder befragt, auch die der Kindergartenkinder?

Neupärtl: Wir haben die Befragung durch die Elternbeiräte sowohl der Kindergärten als auch der Grundschulen organisiert. 272 Eltern haben sich beteiligt. (siehe Ergebnisse) Zweidrittel der Eltern, die sich geäußert haben, sind für die Antreffhalle.

Im Raum steht auch der Vorwurf, auf die Eltern sei Druck ausgübt worden, eine kontroverse Debatte möglichst nicht öffentlich zu führen. Ist dem so?

Neupärtl: Nein, weder von Frau Baar noch von mir wurde jemand unter Druck gesetzt. Wir haben immer betont, dass es im Kreistag hilfreich ist, wenn es möglichst einvernehmliche Vorschläge gibt. Diese liegen ja jetzt auch durch die Entscheidung der Eltern und der Gemeinde mit jeweils circa zweidrittel Stimmanteilen pro Antreffhalle vor.

Nun scheint es , als könnten Tatsachen geschaffen werden, die insbesondere in Willingshausens größtem Ortsteil Wasenberg wenig Zustimmung finden. Wasenberger möchten ihre Kinder lieber nach Treysa in die Grundschule schicken, als in eine gemeinsame Willingshäuser. Was passiert nun?

Neupärtl: Zunächst muss der Kreistag erst einmal entscheiden, ob und dann wo die neue Schule angesiedelt wird. Wir sind in den Kreisgremien - und das übrigens sehr einvernehmlich über alle Parteigrenzen hinweg - der Auffassung, dass Neuregelungen der Grundschulbezirke möglichst den Grenzen der politischen Gemeinden entsprechen sollten.

Sind keine Ausnahmen möglich?

Es gibt Ausnahmen wie zum Beispiel die Kleeblattschule, aber an diesem Grundsatz sollten wir festhalten. Dies bedeutet, dass die Grundschüler aus Wasenberg dann in die Willingshäuser Schule gehen.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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