Fotovoltaikanlagen auf Dächern sind beim Löschen gefährlich für Feuerwehrleute

Im Zweifel brennt es weiter

Achtung Strom: Fotovoltaikanlagen können beim Löschen eines Brandes für Feuerwehrleute gefährlich werden. Foto: dpa

Gudensberg. Der Schreck sitzt noch tief bei den Einsatzkräften der Feuerwehren, die am Samstag zum Großbrand einer Stallanlage im Gudensberger Stadtteil Dorla gerufen worden waren: Ein Feuerwehrmann wurde durch einen elektrischen Schlag, der von der Fotovoltaikanlage auf dem Dach des brennenden Gebäudes ausging, verletzt.

„Er hatte Glück und konnte bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden“, sagte gestern der Gudensberger Stadtbrandinspektor Verdy Ryffel. Für ihn sind die großflächigen Solaranlagen auf Dächern ein echtes Problem, wenn es um die Löscharbeiten bei einem Brand geht.

Kritisch sieht es vor allem die Gefahr eines elektrischen Schlags, denn die Anlagen seien nicht abzuschalten, stünden ständig unter Spannung. Man könne sie nur an der Stelle, wo sie ans öffentlichen Netz angeschlossen seien, wieder davon trennen. Mehrere hundert Volt Spannung blieben aber bestehen.

Gefahr bei Sonnenlicht

In der Dunkelheit kann man laut Ryffel noch damit umgehen, aber sobald das Tages- oder Sonnenlicht auf die Anlage treffe, sei sofort die volle elektrische Leistung da.

Für die Feuerwehren bedeute das, dass brennende Gebäude mit Fotovoltaikanlagen kaum von oben und außen zu löschen seien. Möglich sei eigentlich nur noch der Innenangriff. Und wenn der zu gefährlich ist, wegen Einsturzgefahr etwa? „Im Zweifelsfall muss man das Gebäude dann kontrolliert abbrennen lassen“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Zum gleichen Thema hatte sich Kreisbrandinspektor Werner Bähr im März 2012 geäußert. Er sah es damals gelassener: Es könnten auch Fotovoltaikanlagen mit Wasser gelöscht werden, die Feuerwehrleute müssten lediglich genügend Sicherheitsabstand einhalten.

Eine Verpflichtung zum Einbau eines Abschaltmechanismus bei jeder Fotovoltaik-anlage, der das Problem reduzieren würde, gibt es bisher nicht. Sie seien noch zu teuer, erläuterte der Deutsche Feuerwehrverband im vergangenen Jahr.

Damals hatte auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt, dass es Fälle gegeben habe, bei denen ein Haus wegen einer Fotovoltaik-anlage auf dem Dach abgebrannt sei. Das komme jedoch so selten vor, dass es keine Auswirkungen auf das Prämienniveau habe.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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