Volker Mantey über den neuen Glaubenskurs in seiner Gemeinde

Spangenberger Pfarrer: „Zweifel gehören dazu“

Dem Glauben auf der Spur: In dem Kurs diskutieren die Teilnehmer auch über Themen wie Sünde und Sinnsuche. Foto: dpa

Spangenberg. Es gibt Kochkurse, Chinesischkurse, Nähkurse und Handwerkerkurse - aber was lernt man wohl in einem Glaubenskurs? Die evangelische Kirchengemeinde Spangenberg bietet ab Mitte Januar einen solchen Kurs an.

Wir sprachen darüber mit dem Spangenberger Pfarrer Volker Mantey, der den Kurs zusammen mit dem Pfarrerehepaar Merike und Michael Schümers organisiert.

Herr Mantey, brauchen die Menschen Nachhilfe in Sachen Glaube?

Volker Mantey: Ja, ich denke schon. Denn viele Menschen können nicht mehr genau sagen, was die verschiedenen Bestandteile ihres Glaubens sind. Früher wurde dieses Wissen in den Familien traditionell weitergegeben, das ist häufig heute so nicht mehr der Fall. Viele Menschen wollen sich aber damit auseinandersetzen.

Woran merken Sie das?

Mantey: Zum Beispiel bei den Menschen, die sich im Erwachsenenalter taufen lassen. Das ist ein relativ neues Phänomen, früher wurde man bei uns im ländlichen Raum meist schon als Baby getauft. Aber inzwischen lassen viele Familien ihre Kinder nicht taufen. Wer sich dann als Erwachsener für die Taufe entscheidet, kommt mit vielen Fragen auf uns zu. Er will genau wissen, was für einen Schritt er damit vollzieht. Er fragt sich: Wohinein lasse ich mich da taufen? Der Glaubenskurs ist deshalb auch als Vorbereitung für Erwachsenentaufen gedacht.

Was wollen die Menschen über den Glauben wissen?

Mantey: Nehmen wir zum Beispiel die Frage „Was ist Sünde?“. Früher war es selbstverständlich, darauf eine Antwort zu haben. Heute ist uns der Begriff fremd geworden, genauso wie die Worte Treue oder Hoffnung. Man muss diese Begriffe in unsere heutige Sprache, in unser heutiges Verständnis übersetzen.

Und das ist ein Ziel des Glaubenskurses?

Mantey: Ja, das eine Ziel ist, Wissen zu vermitteln. Das andere Ziel ist, den Glauben zu stärken.

Aber gibt es denn heute noch viele Menschen, die überhaupt glauben? Den Kirchen laufen die Mitglieder davon, die Gottesdienste sind leer.

Mantey: Das ist aber kein Zeichen dafür, dass die Menschen nicht mehr glauben. Ich bezweifle auch die These, dass den Kirchen die Mitglieder davonlaufen: Sie leiden allenfalls unter der demographischen Entwicklung. Und die öffentliche Beteiligung hat sich geändert: Man geht heute nicht mehr regelmäßig zu einem Angebot, man will sich nur noch auf Zeit an etwas binden. Darunter leidet natürlich auch der traditionelle Sonntagsgottesdienst.

Aber der Glaube ist nach wie vor da?

Die religiöse Sinnsuche ist heute sogar eher stärker ausgeprägt als früher. Man findet sich mit dem Vorgegebenen nicht mehr einfach so ab, sondern hinterfragt die Dinge, will mehr ausprobieren.

Das klingt aber doch so, als würden die Menschen dem Glauben heute kritischer gegenüber stehen?

Mantey: Zweifel und Kritik gehören zum Glauben dazu. Schon bei den ersten Jüngern Jesu gab es Zweifler.

Im Glaubenskurs sind also auch kritische Nachfragen erlaubt?

Mantey: Natürlich. Glaube ist keine Schwarz-Weiß-Folie nach dem Motto: Entweder du glaubst, oder du glaubst nicht.

Aber was ist, wenn jemand nach dem Kurs mit dem Glauben noch immer nichts anfangen kann?

Mantey: Das wird sicherlich passieren. Man kann nicht erwarten, dass man in diesen Kurs geht und als perfekter Christ wieder rauskommt. Den Glauben kann man nicht machen. Die Fähigkeit, zu glauben, schenkt Gott selbst. Das ist unsere Überzeugung. Wir können nur das richtige Umfeld für den Glauben schaffen.

 

Kurs richtet sich nicht nur an Gläubige

Was Sie schon immer über den christlichen Glauben wissen wollten und wozu Sie noch nie richtig Gelegenheit hatten“ – unter diesem Motto bietet die Evangelische Kirchengemeinde Spangenberg einen Glaubenskurs an. Organisiert wird der Kurs vom Pfarrerehepaar Merike und Michael Schümers sowie von Pfarrer Volker Mantey. An acht Abenden geht es im Gemeindehaus Am Brauhausplatz in Spangenberg um Fragen rund um den Glauben. Dazu wird es Gespräche und kleine Vorträge geben. Mit diesen Themen setzen sich die Teilnehmer des Glaubenskurses auseinander:


• Gott – wie diese Reise mein Bild verändern kann
• Sinn – wie ich ihm auf die Spur komme
• Glaube – wie ich trotz Hindernissen weiterkomme
• Sünde – was es damit auf sich hat
• Jesus – wo sich Himmel und Erde berühren
• Christ werden – wie Gott mit mir anfängt
• Christ bleiben – wie Gottes Geist uns trägt
• Gottesdienst – wir feiern das Fest des Lebens Beginn ist Mittwoch, 16. Januar, 19.30 Uhr im Rahmen der Allianzgebetswoche. Danach trifft sich die Gruppe jeweils mittwochs zur selben Uhrzeit, bis zum festlichen Abschluss am 6. März. Es ist erwünscht, an allen Abenden teilzunehmen, einzelne terminliche Verhinderungen sind aber kein Problem. Die Treffen dauern etwa bis 21.30 Uhr.

Anmelden muss man sich zu dem Kurs nicht: „Man kann einfach zum ersten Treffen vorbeikommen, und dann sehen, ob man weiterhin mitmachen möchte“, erklärt Pfarrer Volker Mantey. Die Teilnehmerzahl ist nicht begrenzt. Vorwissen ist nicht erforderlich, das Angebot richtet sich an alle, aktive Mitglieder der Kirchengemeinde, aber auch kirchenferne Interessierte. Der Kurs kann auch als Taufvorbereitung für Erwachsene genutzt werden. Weitere Glaubenskurse sind geplant, kündigt Mantey an: „Wir wollen jedes Jahr einen Kurs anbieten.“ (red/jul)

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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