"Veranstaltungen passen nicht mehr zueinander"

Bad Zwesterner Meisterkonzerte: Dr. Ferhat Derman hört auf

Musik ist sein Leben: Auch in der Praxis von Dr. Ferhat Derman finden sich zahlreiche Belege für die Leidenschaft. Foto: Laumann

Bad Zwesten. Die Musik ist sein Leben. Umso schwerer fällt ihm der Abschied: Doch nach 27 Jahren ist Schluss. Ende des Jahres stellt Dr. Ferhat Derman die Bad Zwestener Meisterkonzerte ein.

„Es ist alles ein bisschen zu viel“, sagt der 68-jährige Zahnarzt. Da ist zum einen die Arbeit in seiner Praxis. Neun Angestellte hat Derman. „Wir sind wie eine Familie. Ich kann sie nicht einfach im Stich lassen“, erklärt der Zahnarzt.

Zum anderen kümmert sich Derman um seine kranke Frau Marie-Luise. Hinter ihr liegt eine schwere Operation. In München hat sie eine Spenderlunge erhalten. Derman steht ihr in dieser schweren Zeit bei. „Irgendwann ist jede Kraft zu Ende, und es ist Zeit aufzuhören“, sagt er mit Blick auf die Konzertreihe.

Mehr als 500 Konzerte

Derman hat in den Jahren mehr als 500 Konzerte organisiert und Künstler aus aller Welt nach Bad Zwesten geholt. „Ich habe hier eine Kulturgemeinde aufgebaut“, sagt er. Schnell habe sich der Ort mit dem kulturellen Angebot einen Namen gemacht. „Die Besucher kamen aus der ganzen Region“, betont Derman.

Für den 68-Jährigen sind die Konzerte etwas ganz Besonderes. „Sie sind wie mein Kind.“ Mit viel Hingabe habe er sich um dieses „Kind“ gekümmert, die Künstler immer bei sich zu Hause aufgenommen. „Wir waren wie ein Hotel“, erinnert er sich. Doch es sei nicht immer einfach gewesen, sich um die Konzertreihe zu kümmern. „Oft gab es Schwierigkeiten, und man musste kämpfen.“

So wie im Jahr 2010, als die Gemeinde Bad Zwesten angekündigt hatte, die Zuschüsse von 10 000 auf 7000 Euro zu kürzen. Derman war damals enttäuscht.

Sei Engagement werde weder geschätzt noch gewürdigt, hieß es. Doch er machte weiter, organisierte, betreute die Künstler und übernahm einen Großteil der Kosten. „Ein Symphoniekonzert kostet zwischen 8000 und 12 000 Euro“, erklärt Derman. Allein durch den Ticket- und Getränkeverkauf würden die Ausgaben nicht annähernd gedeckt.

Klassik und Techno

Irritiert war Derman auch nach dem Adventskonzert im vergangenen Jahr. Nachdem am Samstag klassische Musik im Kurhaus erklang, folgte am Tag drauf eine Technoparty. Für den Zahnarzt passen die Veranstaltungen nicht zueinander. Erneut fühlte sich der Organisator nicht genügend wertgeschätzt.

„Die wissen nicht, was ich leiste. Sie denken alle, es ist selbstverständlich“, sagt er mit Blick auf die Gemeinde Bad Zwesten. „Jetzt ist Schluss“, lautet daher Dermans Erklärung, der immer wieder betonte, nicht im Groll zu gehen. Und so kündigt er noch ein Bonbon an: „Wenn meine Frau gesund wird, schenke ich der Gemeinde zwei Meisterkonzerte.“ (akl)

Quelle: HNA

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