Alexander und Daniel Wiegratz treten heute gegen 40 Duos um den Titel des deutschen Hip-Hop-Meisters an

Zwillinge tanzen um den Olymp

In Aktion: Daniel Wiegratz (linkes Bild vorn und rechtes) und sein Zwillingsbruder Alexander beim Training in Ziegenhain. Fotos: Ludwig

Treysa/ München. Viele blaue Flecken und Zerrungen waren der Preis: Die Zwillinge Alexander und Daniel Wiegratz aus Schwalmstadt haben sich als Duo für die deutsche Hip-Hop-Meisterschaft in München qualifiziert, wo sie heute um den deutschen Titel und die Qualifikation für die europäische Meisterschaft tanzen. Ihr Erfolgsrezept, so glauben sie, ist das blinde Verständnis unter Zwillingen.

Dass sich die 17-Jährigen heute in München vor der Jury präsentieren können, ist bereits ein Erfolg. Bei den westdeutschen Meisterschaften, an denen etwa 1000 Tänzer teilnahmen, hatten sie sich in der Kategorie „Duo“ mit 14 weiteren Paaren für den nationalen Entscheid qualifiziert. Selbst wenn sie nicht Meister werden, so reicht ihnen einer der ersten zehn Plätze, um bei den Europameisterschaft in Dänemark anzutreten.

Hip-Hop und die Vorurteile

Was die Wiegratz-Brüder in ihrer Freizeit treiben, davon erzählen sie fast niemandem ihrer Mitschüler im Schwalmgymnasium etwas. Grund für ihr Schweigen seien die Vorurteile gegenüber dem Tanz-Sport. „Viele glauben, dass Hip-Hop bedeutet, dass man irgendwie rummacht oder rumspringt. Oder dass man Baggy-Jeans trägt und gerne im Ghetto wohnen möchte. Dabei geht es da um Körperkontrolle und Präzision“, sagt Alexander. Außerhalb der Tanzfläche hören die beiden dann auch lieber andere Musik. „Beim Tanzen haben wir genug davon“, sagt Daniel.

Vor sieben Jahren haben die Brüder mit dem Tanzen angefangen, vor fünf Jahren haben sie sich auf Hip-Hop spezialisiert und geben darin mittlerweile selbst Kurse. Zum Tanzen hat sie ihre Mutter Renate Wiegratz gebracht, eine professionelle Eiskunstläuferin.

Auf die Frage, warum sie ihr Fach inzwischen so gut beherrschen, glauben die beiden an das Zwillings-Gen. „Bei den Choreographien kommt es stark auf Synchronität an und wir verstehen uns blind. Als Zwilling bekommst du intuitiv mit, was der andere gerade macht“, sagt Alexander. Das ist entscheidend, denn bei der Meisterschaft müssen sie zu einem ihnen unbekannten Stück spontan tanzen.

Um nicht allein auf den Zwillingsbonus zu vertrauen, wird seit zwei, drei Wochen im Ziegenhainer Fitnessstudio Athletic-Gym hart für München trainiert. Weil Tanzen von „widernatürlichen Bewegungen“ lebt, wie Alexander es ausdrückt, muss der Körper an diese gewöhnt werden. Dieser Weg ist mit vielen Blessuren verbunden. Die Knie schmerzen und „hin und wieder rutscht eine Sehne dort hin, wo sie nicht hin soll“, hat Daniel leidvoll bemerkt. Mit einer „Voltaren zum Abendbrot“ sei die Sache wieder erledigt.

Auch auf Theaterbühnen

Neben dem Hip-Hop tanzen die Zwillinge unter anderem auch Modern und Jazz. Dafür treten sie häufiger auf Theaterbühnen auf – wie jetzt in Göttingen. „Daran sieht man auch, dass wir nicht irgendwie rumhopsen, sondern die Sache anspruchsvoll ist“, findet Alexander.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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