Hörforscher entwickelten aufeinander abgestimmte Hörgeräte für räumliches Gehör

Zwischen den Ohren funkt es

Ausgezeichnete Hörgeräte: Hörforscher Dr. Jens-Ekkehart Appell, Leiter der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Oldenburg. Foto: Privat

Melsungen. „Der Mensch hat zwei Ohren, und das mit gutem Grund“, meint Hörforscher Dr. Jens-Ekkehart Apell von der Fraunhofer-Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie in Oldenburg. Denn nur mit beiden Ohren können Geräusche und Töne räumlich wahrgenommen werden.

Der gebürtige Melsunger gehört zur Forschungsgruppe um Prof. Birger Kollmeier von der Universität Oldenburg, die für eine entscheidende Verbesserung von Hörgeräten mit dem Deutschen Zukunftspreis für Technik und Innovation ausgezeichnet wurden. Das Forscherteam hat digitale Hörgeräte entwickelt, die sich von einem Ohr zum anderen abstimmen, und so Schwerhörigen zu einem fast natürlichen Hörvermögen verhelfen.

Geräusche unterscheiden

Herkömmliche Hörgeräte können zwar Geräusche, Klang und Sprache voneinander unterscheiden. Wenn jedoch die Geräte rechts und links zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wird das Hören erschwert. Bei Schwerhörigen, die noch ein Rest-Hörvermögen haben, würde so das Hören durch die Hörgeräte eingeschränkt, sagte Dr. Appell. Erst durch die Abstimmung der Geräte kann das räumliche Hören, das durch zwei gesunde Ohren ermöglicht wird, auch mit Hörgeräten genutzt werden. Grundlage ist ein digitales Verfahren, das die Hörgeräte zu einem gemeinsam arbeitenden Hörsystem kombiniert. Die Daten werden per Funk ausgetauscht. Durch diesen Zwei-Ohr-Effekt können Schwerhörige nicht nur besser räumlich hören, sondern auch Unterhaltungen bei Umgebungslärm besser folgen.

Die Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie, die Dr. Appell mit Professor Kollmeier leitet, erforscht außerdem Möglichkeiten, um Geräte wie Telefon und Fernseher mit Technologien zur Unterstützung des Hörens auszurüsten, damit jene besser hören können, die eigentlich ein Hörgerät bräuchten.

„Nur etwa 20 Prozent der Schwerhörigen tragen ein Hörgerät“, schätzt Dr. Appell. Dabei wäre eine frühzeitige Unterstützung des Gehörs wichtig, denn wer schlecht hört, kann das Hören auch verlernen. Meistens vermindert sich das Hörvermögen schleichend: Zuerst werden hohen Frequenzen nicht mehr gehört, dann schrumpft der hörbare Bereich.

In der Folge verlernt das Gehirn, Informationen aus diesen Bereichen zu nutzen. Umso wichtiger ist es, dass auch kleine Hörminderungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Ausstattung klassischer Audio-Geräte wie Fernseher und MP3-Player sowie Telefone mit persönlichem Gehörschutz und unterstützender Hörtechnik könnte für Personen mit geringem Hörverlust hilfreich sein. So kann der Übergang zu einem Hörgerät erleichtert werden.

„Hörgeräte sind heute echte High-Tech Wunder und haben nichts mehr mit den piepsenden Geräten von früher zu tun“, sagt Hörforscher Appell als Tipp an alle, die oft etwas falsch verstehen oder auf Fragen antworten, die ihnen niemand gestellt hat, weil sie nicht mehr gut hören. Wer sich frühzeitig für ein Hörgerät entscheidet, wird nicht nur weiterhin gut hören, sondern sich auch leichter an die Geräte gewöhnen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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