Luther hätte getwittert

SabineKoch

Schwalm-Eder. Wenn Pfarrerin Sabine Koch aus Hebel mit ihren Konfirmanden etwas mitteilen will, dann macht sie das oft schriftlich. Nicht per Brief, sonder via Facebook, einem Netzwerk im Internet, schickt sie den Jungen und Mädchen Mitteilungen und diskutiert mit ihnen.

Was würde Martin Luther - der Mönch, der mit seinen Botschaften die Welt veränderte - nur dazu sagen? Er würde mitmachen, ist sich Koch sicher.

Die Kirche müsse mit der Zeit gehen, sagt Koch. Christen hätten doch von Anbeginn die Medien genutzt, um miteinander in Kontakt zu kommen. „Nicht alles von dem, was die Konfirmanden schreiben, kann von allen gesehen werden, wir haben eine geheime Gruppe“, sagt sie. Andere Informationen rund um das kirchliche Leben stelle sie indes ganz öffentlich auf ihrer Facebook-Seite ein: „Werbung für unsere Veranstaltungen.“

Die Christenheit selbst sei ein soziales Netzwerk. „Paulus hat Briefe geschrieben und in die Welt geschickt. Heute würde er wohl – zusätzlich – einen Blog im Internet schreiben und so hätten allen Menschen die Gelegenheit, ihm zu antworten und mit ihm zu diskutieren“, hat ein Kollege von Koch einmal gesagt. So sieht es auch die Pfarrerin.

Luther habe seine Thesen noch an eine Tür nageln und darauf hoffen müssen, dass genügend Menschen vorbeikommen, um sie zu sehen und zu verbreiten.

„Heute würde er sie twittern und so ganz schnell verbreiten“, sagt Koch. Twittern ist ein Nachrichtendienst im Internet, das Wort steht für Zwitschern.

Das Internet sei kein Schreckgespenst. „Wer sich damit kritisch auseinandersetzt, kann auch vernünftig damit umgehen“, sagt sie und bekommt Unterstützung von Eltern und Begleitern der Konfirmanden. „Mindestens die Hälfte meiner Gemeindeglieder erreiche ich so. und bei den Jugendlichen sind es 100 Prozent.“ Mehr als das: Auch Menschen aus der Gemeinde, die schon lange nicht mehr im Gottesdienst waren, beteiligen sich plötzlich an Diskussionen. „Ich verbreite so auch unsere Botschaft ganz unverbindlich und ohne sie aufzudrängen“, erklärt Koch und fügt an, dass das aber auf keinen Fall das persönliche Gespräch und das Miteinander ablösen könne. Auch die besondere Stimmung aus den Gottesdiensten könne man nicht ersetzen. „Es ist eine Ergänzung“, davon ist Koch, die im Kirchenkreis Homberg die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit ist, überzeugt.

Sprache der Jugend

Das war es zum Beispiel auch kürzlich, nachdem sie mit ihrer Konfirmandengruppe im Museum für Sepulkralkultur in Kassel war. Das Thema Sterben hat die jungen Leute beschäftigt. Ein paar Tage danach entstand im Internet eine Diskussion. „Das Erlebte musste sich erstmal setzen und manche trauen sich über das Internet eher, eine Frage zu stellen“, sagt Koch. Auf die Diskussionen gehe sie in der nächsten Unterrichtsstunde wieder ein. „Wir holen das aus dem Internet in unsere Mitte“, erklärt sie. Das komme bei den jungen Leuten gut an.

Koch ist sich sicher, dass Luther das mit einem Klick auf „Gefällt mir“ bei Facebook kommentiert hätte. „Weil wir die Sprache der jungen Leute sprechen.“

Die Gemeindeglieder, die keinen Internetzugang haben, bekommen von Sabine Koch auch weiterhin ihre Nachrichten – in den Briefkasten.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare