Gretchen Kalle ist die Online-Oma

Die 100-Jährige, die Facebook und Whatsapp nutzt

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Mit der halben Welt in Kontakt: Gretchen Kalle mit Urenkelin Lucie-Ann Nieman.

Emden - Der Volksmund sagt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Gretchen Kalle beweist: Der Volksmund hat nicht immer recht. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hat sich die Emderin bei Facebook und Whatsapp angemeldet. Da stand sie kurz vor ihrem 99. Geburtstag.

Mittlerweile ist die rüstige Frau 100 Jahre alt und ein Profi in den sozialen Netzwerken: Unzählige Nachrichten hat sie bereits über die Onlinedienste verschickt. Mit viel Geduld hat sich Gretchen Kalle der digitalen Welt genähert. „Natürlich begreift man das erst mal nicht so schnell“, sagt sie. Ein gutes halbes Jahr habe sie benötigt, um zu verstehen, wie Facebook und Whatsapp funktionieren. Große Probleme gab es offenbar nicht. „Das Schreiben geht sehr gut. Die Buchstaben auf dem Tablet sind ja groß.“

Über Whatsapp kommuniziert Gretchen Kalle vor allem mit ihrer Familie und Bekannten. Über Facebook steht sie mit der halben Welt in Kontakt. „Zu meinem 100. Geburtstag gab es Tausende Glückwünsche, ganz viele auch aus anderen Ländern“, sagt sie. Besonders nette Gratulanten habe sie auch eine Dankesnachricht geschickt.

Auch im hohen Alter interessiert sich Gretchen Kalle für das Geschehen in aller Welt – und natürlich für alles, was vor ihrer Haustür geschieht. Darum liest sie täglich die Zeitung – und zwar in der digitalen Ausgabe. „Auf Facebook bekomme ich immer mit, ob es einen Unfall gegeben hat oder was sonst noch so passiert ist.“

Gretchen Kalle ist täglich bis zu vier Stunden in Sozialen Netzwerken

Dass ihre Großmutter sich so problemlos mit der Technik vertraut gemacht hat, überrascht Enkelin Tanja Kalle-Nieman nicht. Sie hat ihr den Tabletcomputer besorgt. „Meine Oma wollte immerzu wissen, was ich da auf meinem Handy mache.“ Nachdem sie es ihr erklärt hätte, sei die Großmutter nicht mehr zu bremsen gewesen. „Sie wollte auch ein Smartphone haben. Weil das aber zu klein war, wurde es ein Tablet.“

Wenn Gretchen Kalle damit einmal nicht weiterkommt, hilft ihr eine Enkelin – oder eine Urenkelin. Mit der großen Familie und ihren Bekannten verbindet sie ebenso viel wie mit ihrem Heimatort: In Emden wurde sie geboren, in Emden lernte sie ihren späteren Mann kennen, Julius Kalle. 1947 gründete er dort einen Getränkefachhandel, den heute Sohn Wolfgang Kalle leitet. Er ist eines von fünf Kindern der 100-Jährigen.

In puncto Facebook- und Whatsapp-Nutzung schlägt sie wohl aber sogar die Enkel und Urenkel. Drei bis vier Stunden täglich beschäftigt sich Gretchen Kalle mit den sozialen Medien. Darüber hinaus fällt genug Alltagsarbeit an: Abwasch, Essenkochen, Gassigehen mit dem Hund und einmal in der Woche ein Großeinkauf – Gretchen Kalle erledigt fast alles noch selbst. Außerdem hat sie ein Hobby, das angesichts ihrer digitalen Leidenschaft geradezu altmodisch ist: „Ich schreibe gerne Briefe.“

Hagen Eichler

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