„Trauermarsch“ Bad Nenndorf

1000 Demonstranten gegen Neonazis erwartet

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Auch im zehnten Jahr wollen amSonnabend wieder rund 1.000 Menschen mit fantasievollen Aktionen gegen einen „Trauermarsch“ von Rechtsextremisten in Bad Nenndorf protestieren.

Bad Nenndorf - Rund 1.000 Menschen wollen am Sonnabend mit fantasievollen Aktionen gegen einen „Trauermarsch“ von Rechtsextremisten in Bad Nenndorf protestieren. Die Veranstalter planen zudem „den unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“ zugunsten der Berliner Neonazi-Aussteigerorganisation „Exit“.

„Wir wollen, dass die Neonazis begreifen, dass ihr Projekt gescheitert ist“, sagte Mitinitiator Jürgen Uebel von der Initiative „Bad Nenndorf ist bunt“ am Dienstag in Hannover.

Die Veranstalter planen außerdem „den unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“ zugunsten der Berliner Neonazi-Aussteigerorganisation „Exit“. Unter dem Motto „Rechts gegen Rechts“ wollen sie eine Aktion kopieren, die im vergangenen November im bayerischen Wunsiedel ein weltweites Medienecho ausgelöst hatte.

„Unfreiwilliger Spendenlauf“

Das dortige Bündnis gegen Neonazis hatte einen Aufmarsch von Rechtsextremisten genutzt, um daraus den bundesweit ersten „unfreiwilligen Spendenlauf“ zu initiieren. Für jeden zurückgelegten Meter der Neonazis wurde Geld auf ein Spendenkonto zugunsten von „Exit-Deutschland“ überwiesen - insgesamt 10.000 Euro.

An der Nenndorfer Demonstrationsstrecke sollen Plakate, Banner und Bodenmarkierungen angebracht werden, die die Route optisch in eine sportliche Spendenveranstaltung verwandeln. Sprüche wie „Endspurt statt Endsieg“ sollen die Demonstranten zum Laufen animieren: Für jede Minute unerwünschter Aufenthaltszeit der Neonazis in der Kleinstadt wollen Nenndorfer Privatleute und Unternehmer zehn Euro spenden. Die Initiative „Exit“ will das Geld zum Aufbau eines bundesweiten Netzwerkes von Tattoostudios nutzen. Hier können Aussteiger dann ihre rechtsextremistischen Tätowierungen entfernen lassen. „Wir wollen zeigen, dass es Möglichkeiten gibt auszusteigen“, sagte Steffen Holz vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Für den Vormittag planen die Kirchen und die jüdische Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst mit mehreren hundert Teilnehmern. Unter dem Motto „Zu Gast bei Freunden“ feiern Parteien und Verbände der Stadt am Nachmittag ein Fest vor der jüdischen Gemeinde. Auch verschiedene Privat-Partys und geschmückte Straßenzüge sollten den Nazis zeigen, dass es keinen Grund zur Trauer gebe, so Uebel. In Hannover rufen Verbände wie der grüne Stadtverband und die grüne Jugend ebenfalls zur Beteiligung an den Protesten auf.

Seit 2006 kommen Rechtsextremisten zu sogenannten „Trauermärschen“ nach Bad Nenndorf. Im dortigen „Wincklerbad“ befand sich von 1945 bis 1947 ein britisches Verhörzentrum und Gefängnis für Nationalsozialisten. Die Zahl der Teilnehmer an den Aufmärschen ist seit einigen Jahren allerdings rückläufig. Das Bürgerbündnis rechnet wie im vergangenen Jahr mit weniger als 200 Neonazis.

epd

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