Flucht nach Fahrradunfall

18-Jähriger wegen Mordes angeklagt

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Es ist noch offen, wann das Landgericht Verden der Prozess gegen den 18-Jährigen eröffnet wird.

Hannover - Weil er einen Radfahrer mit dem Auto überfuhr und dann einfach liegenließ, ist ein 18-Jähriger aus Nienburg jetzt vom Landgericht Verden wegen versuchten Mordes angeklagt worden.

Ein 18 Jahre alter Nienburger ist vor dem Landgericht Verden wegen versuchten Mordes angeklagt. Der junge Mann soll im vergangenen Jahr in Petershagen einen Fahrradfahrer überfahren haben, knapp hinter der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Weil der 18-Jährige nach dem Unfall aus dem BMW seines Vaters flüchtete, ohne sich um das sterbende Opfer zu kümmern, hatte ihn die Staatsanwaltschaft Minden zunächst wegen fahrlässiger Tötung, Fahrens ohne Führerschein und wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort angeklagt. Später übernahm die Staatsanwaltschaft Verden den Fall - und weitete die Anklage auf versuchten Mord aus.

Nach Angaben von Staatsanwalt Lutz Gaebel besteht der Verdacht des Mordes durch Unterlassen, weil der 18-Jährige mit seiner Unfallflucht vertuschen wollte, dass er ohne Führerschein gefahren ist. „Er hat dafür billigend in Kauf genommen, dass das Opfer nicht überlebt.“ Die Polizei konnten den Flüchtigen später in einem nahegelegenen Baumarkt aufgreifen, in dem er offenbar ziellos und verwirrt umhergeirrt war. In der Zwischenzeit war der Fahrradfahrer laut Staatsanwaltschaft gestorben.

Der Fall ist juristisch vertrackt. Obwohl der Fahrradfahrer tot ist, lautet die Anklage neben der fahrlässigen Tötung nur auf Mordversuch. „Selbst wenn sofort ein OP-Team am Unfallort gewesen wäre, hätte das Opfer nicht mehr gerettet werden können“, erklärt der Verteidiger des Angeklagten, Albrecht-Paul Wegener. Das habe ein medizinisches Gutachten ergeben, das Wegener erwirkt hat. Sein Mandant sitzt seit August 2012 in Untersuchungshaft und schweigt.

Offen ist noch, wann vor dem Landgericht Verden der Prozess gegen den 18-Jährigen eröffnet wird. Wegener will nachweisen, dass der Fahrradfahrer entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft sofort tot war - dann bliebe wiederum vom Vorwurf des versuchten Mordes durch die unterlassene Hilfeleistung nichts übrig. Laut Wegener macht das für seinen Mandanten einen enormen Unterschied beim Strafmaß. „Wird er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, droht ihm eine Geldstrafe von zwei bis sechs Monatsgehältern.“ Bei versuchtem Mord bewegt sich die zu erwartende Strafe zwischen zehn Jahren und lebenslänglich - je nach dem ob das Gericht Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anwendet.

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