Kein Zugang zur Sprache

32.000 Schüler haben geringe Deutschkenntnisse

+

Hannover - Kein Zugang zur deutschen Sprache oder nur geringe Kenntnisse: Mehr als 32 000 Schüler in Niedersachsen haben Sprachförderbedarf. Knapp die Hälfte von ihnen sind im vergangenen halben Jahr neu an die Schulen gekommen.

In Niedersachsen haben derzeit 32 716 Schülerinnen und Schüler keine oder nur geringe Deutschkenntnisse. Knapp die Hälfte von ihnen, nämlich 15 377 Jungen und Mädchen, seien vermutlich als Flüchtlinge im vergangenen Jahr neu an die Schulen gekommen, teilte das Kultusministerium am Freitag in Hannover zu einer erstmaligen Erhebung an 2800 Schulen mit. Die steigenden Flüchtlingszahlen stellten die Schulen vor eine große Herausforderung, sagte Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Jedes Kind, das Sprachförderung brauche, solle sie auch bekommen.

Fast 9000 der Kinder und Jugendlichen mit Sprachförderbedarf können nicht in ihrer Herkunftssprache lesen und schreiben. Der größte Teil von ihnen besucht allerdings eine Grundschule oder einen Schulkindergarten, wo diese Alphabetisierung erst noch beginnt. Die Erhebung ist zu Beginn des laufenden Schuljahres in dieser Form erstmals vorgenommen worden. Detaillierte Auswertungen sollen in den kommenden Wochen folgen, kündigte das Ministerium an.

Die Landesregierung habe die Ressourcen für die Sprachförderung in Schulen bereits erheblich aufgestockt, sagte Heiligenstadt. Angesichts der gegenwärtigen Situation seien Geduld und Zuversicht gefragt: „Vieles läuft bereits sehr gut, doch nicht alles kann und wird sofort perfekt laufen.“ Die Erfahrung zeige, dass Kinder oft sehr schnell Deutsch lernten und dem Unterricht schon nach wenigen Monaten gut folgen könnten - selbst wenn sie vielleicht nicht jedes einzelne Wort verstünden.

Die Zahl der Sprachlernklassen, die zu Beginn des Schuljahres auf rund 300 erhöht wurde, wird nach weiteren Angaben nochmals auf rund 550 aufgestockt. Daneben erhielten die Schulen individuell passende Lösungen, abhängig von der Zahl der zu fördernden Schüler. Für weitere Fördermaßnahmen soll der Umfang der Lehrerstunden um mindestens 7500 Stunden erhöht werden. Der Entwurf für den 2. Nachtragshaushalt sieht zudem rund 700 zusätzliche Stellen zur Stärkung der Sprachfördermaßnahmen an öffentlichen Schulen vor.

lni

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare