Papst Franziskus

40-mal „Ja“ im Vatikan

+
Die nur äußerst selten von einem katholischen Kirchenoberhaupt vollzogene Trauung ist nicht so sehr ein Ausweis für Romantik im Vatikan. Vielmehr steht sie ganz im Zeichen der für Anfang Oktober von Franziskus anberaumten vatikanischen Bischofssynode.

Rom - Papst Franziskus vermählte erstmals Paare – und gab gleich noch Beziehungstipps dazu. Die Brautpaare waren allesamt auf Wunsch des Papstes vom Vikariat Rom ausgesucht worden. Junge Paare, ältere, solche, die schon länger zusammenleben und selbst welche, die Kinder aus früheren Beziehungen haben.

Papst Franziskus hat wohl Freude daran, verliebte Paare zu begleiten. Erst am Valentinstag dieses Jahres hatte er Verlobte auf dem Petersplatz empfangen – und da nach einer Verlobung der nächste Schritt ja feststeht, erscheint Franziskus’ Einsatz am Sonntag nur folgerichtig: Der Papst traute 20 Ehepaare aus seiner Diözese Rom – erstmals in seinem Pontifikat. Überhaupt sind päpstlich begleitete Eheschließungen eine Seltenheit: Zuletzt hatte Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 eine Hochzeitsmesse gefeiert.

Die Brautpaare waren allesamt auf Wunsch des Papstes vom Vikariat Rom ausgesucht worden. Junge Paare, ältere, solche, die schon länger zusammenleben und selbst welche, die Kinder aus früheren Beziehungen haben. Wie die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ berichtet, mussten die meisten Paare ein bereits bestelltes Aufgebot zugunsten der Hochzeit im Petersdom verschieben.

Das zusätzliche Warten dürfte sich für sie gelohnt haben, denn die Brautleute erhielten nicht nur den kirchlichen Segen, sondern auch Tipps für eine glückliche Beziehung – vom Papst persönlich. Franziskus verzichtete in seiner Predigt darauf, die Ehe in Rosarot auszumalen. Er hob stattdessen die Schwierigkeiten des Ehealltags hervor. Eine Ehe ohne Konflikte? „Das wäre nicht menschlich“, sagte das Kirchenoberhaupt: „Es ist eine anspruchsvolle, manchmal schwierige, bisweilen sogar konfliktgeladene Reise, aber so ist das Leben.“ Paare, deren Beziehung zum Beispiel durch Untreue belastet sei, drohe nicht die Verurteilung Gottes, so der Papst. Sie könnten sich auf seine Unterstützung verlassen, wenn sie sich ihm anvertrauten.

„Die Ehe ist keine Fernsehserie“

Zudem gab Franziskus den Brautpaaren noch einen Merkspruch mit auf den langen Weg: „Die Ehe ist das Symbol des Lebens, des realen Lebens – und keine Fernsehserie.“ Es sei normal, dass Eheleute in Streit gerieten. „Aber ich gebe euch einen Rat: Legt euch nie schlafen, ohne euch versöhnt zu haben. Es genügt eine kleine Geste. Und so geht man voran.“ Dabei fielen Frauen und Männern doch sehr spezifische Aufgaben zu: „Der Mann hat die Aufgabe, seiner Frau zu helfen, mehr Frau zu sein, und die Frau hat die Aufgabe, ihrem Mann zu helfen, mehr Mann zu sein. Das ist eure Aufgabe füreinander, es ist die Wechselwirkung der Verschiedenheiten“, sagte der Papst, ohne jedoch konkreter zu werden. Am Ende der Messe fassten sich alle Paare bei den Händen; eine große symbolische Kette zur Besiegelung des Bundes fürs Leben. Dann schritten die Eheleute mit Fotografen in die Vatikanischen Gärten, Hochzeitsfotos machen.

Vor der Hochzeitszeremonie hatte der Fall einer Römerin für Aufsehen gesorgt, die unter den Bräuten war. Sie bringt aus einer früheren Partnerschaft ohne Trauschein eine erwachsene Tochter mit in die Ehe. Ihr Mann war bereits vorher verheiratet, die frühere Ehe wurde vom Kirchengericht Sacra Rota für nichtig erklärt. Das in den Jahren 1958 und 1965 geborene Paar war das älteste unter den frisch Vermählten. Ein 1986 geborener Bräutigam und seine drei Jahre jüngere Ehefrau bildeten das jüngste Paar bei der Zeremonie. Die Altersspanne der Paare reichte von Ende zwanzig bis Ende fünfzig. Unter den Eheleuten war die Kassiererin eines Schnellrestaurants, ein DJ, ein kleinerer Angestellter und auch ein Arbeitsloser. Die Diözese Rom zeigte sich sehr bemüht, in ihrer Auswahl das gesellschaftliche Spektrum abzudecken. Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ betonte derweil, dass nicht alle Paare regelmäßig am Leben ihrer Pfarreien teilnähmen. Damit folgte die Auswahl offensichtlich der wiederholten Aufforderung von Franziskus, dass die Kirche mehr auf Menschen zugehen müsse, die ihr fernstehen.

Die nur äußerst selten von einem katholischen Kirchenoberhaupt vollzogene Trauung ist nicht so sehr ein Ausweis für Romantik im Vatikan. Vielmehr steht sie ganz im Zeichen der für Anfang Oktober von Franziskus anberaumten vatikanischen Bischofssynode. Dann empfängt der Papst mehr als 250 Bischöfe, Delegierte und Experten, um über die künftige katholische Familienpolitik zu diskutieren. Eine Umfrage zur Einstellung der Gläubigen bei den Themen Ehe, Familie und Sexualität hatte verdeutlicht, dass Familienbild und Lebenspraxis vieler Katholiken von der kirchlichen Lehre abweichen.

Das Treffen wird mit Spannung erwartet, weil es dabei auch um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gehen soll. Diesen Menschen wird traditionell die Kommunion verweigert. Selbst ranghohe Kirchenvertreter halten den Umgang mit geschiedenen Kirchenmitgliedern für lebensfremd. Ihre Widersacher fürchten dagegen um die Heiligkeit des Sakraments der Ehe, wenn die Kirche sich für Geschiedene öffnen sollte.

Alvise Armelini

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare