Musikfestival

500.000 Besucher beim Hamburger Schlagermove

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Foto: Hundertausende Fans ziehen am Sonnabend beim Schlagermove 2012 in Hamburg mit 45 Musiktrucks durch den Stadtteil St.Pauli.

Hamburg - Längst gilt der Schlagermove als so etwas wie der Karneval des Nordens: Bunt kostümiert und ausgelassen feierten Hunderttausende in Hamburg wieder das große Gute-Laune-Spektakel. Dass so mancher die eingeladenen Schlagersänger kaum noch kennt, ist dabei völlig egal.

Schräg, schrill, Schlagermove: Bei Deutschlands größter Schlagerkarawane haben in Hamburg eine halbe Million Menschen eine knallig bunte Gute-Laune-Party gefeiert. Zum 16. Mal zog der Schlagermove durch die Straßen und machte die Hansestadt zum Schauplatz für das als Karneval des Nordens bekannte Spektakel. Ob mit riesigen Sonnenbrillen, verrückten Perücken und Schlaghosen oder gleich im Faschingskostüm - nur wenige Besucher kamen ohne Verkleidung. 45 Musiktrucks bahnten sich fünf Stunden lang ihren Weg durch die Massen und drehten ihre Runde vorbei an Landungsbrücken, Fischmarkt und Reeperbahn. Auf einen sonnigen Start folgten zwar Regen und Gewitter, die Schlagerlaune konnte das aber nicht trüben.

Bereits eine Stunde nach Beginn schätzte die Polizei die Zahl der Besucher auf 500.000. „So voll war es zum Start noch nie“, sagte der Sprecher der Veranstalter, Axel Annink. Dass es dann doch zu regnen und donnern anfing, verdarb zwar nicht allen die gute Laune, aber doch so manchem.

„Viele suchten nur vorübergehend Zuflucht und kamen dann wieder“, meinte Annink. Außerdem hatten sich Schlagermove-Kenner gegen erneutes Schietwetter gewappnet. „Das regnet bestimmt noch. Das ist immer so“, sagte die 19-jährige Annika Metzmann schon, als noch die Sonne schien. Sie kam mit ihrer gleichaltrigen Freundin Isabell Srugies zur Parade. Die beiden Hamburgerinnen waren keine Neulinge beim Schlagermove, aber auch keine Schlagerfans. Namen wie die von Bata Illic („Michaela“) oder Gottlieb Wendehals („Polonäse Blankenese“), die als Stargäste eingeladen worden waren, sagten ihnen zwar noch etwas. „Aber die Musik hören wir sonst nicht, wir sind hier wegen der Stimmung.“

Das sei einfach Gute-Laune-Musik, sagten auch die beiden Schwestern Sina (25) und Alina (21) aus Hamburg. „Die Stimmung ist wieder der Hammer!“. Zu den Unkostümierten, die eindeutig in der Minderheit waren, gehörten Nadine und Mark aus Hannover, die eigentlich nur auf Hamburg-Besuch waren. „Aber die machen ja ganz gut Party hier“, bescheinigten sie den Hanseaten, unter die sich ohnehin auch viele Touristen gemischt hatten. Wie etwa die beiden echten Karnevalsexpertinnen aus Nordrhein-Westfalen, Barbara Fiethz und Annette Pape, die extra zum Move angereist waren: „Die Hamburger können definitiv mithalten.“

Ob „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Du kannst nicht immer 17 sein“ - von allen Wagen dröhnte stundenlang ein Schlager nach dem anderen. Solange noch die Sonne schien, regnete es Seifenblasen und Konfetti. Erst rund fünf Stunden nach dem Start erreichte der letzte Musiktruck das Ziel. „Bis zum Schluss blieb alles friedlich“, teilten sowohl die Polizei als auch die Veranstalter mit. Sie berichteten nur von kleineren Schnittverletzungen, Platzwunden oder übermäßigem Alkoholkonsum. Annink zufolge zählten die Johanniter 250 Hilfeleistungen und 70 Transporte. Aber ebenso wie die Polizei betonte er, dass dies angesichts von 500.000 Besuchern wirklich wenig sei.

Für das „Festival der Liebe“ war nach dem Umzug noch lange nicht Schluss: Auf dem Heiligengeistfeld stieg wieder die traditionelle Aftermove-Party. Und auch im nächsten Jahr soll in Hamburg wieder ordentlich „Hossa, Hossa, Hossa!“ gerufen werden: Die nächste große Parade ist für den 29. Juni 2013 geplant. Wenn die Erhöhung der Gema-Gebühren bei Großveranstaltungen den Organisatoren keinen Strich durch die Rechnung macht: „Bei einer saftigen Erhöhung der Gebühren wäre der Schlagermove gefährdet“, meinte Annink.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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