Urteil

54-Jähriger muss wegen Missbrauchs sieben Jahre in Haft

Bückeburg - Viel ist nicht übrig geblieben von der Anklage. Vorgeworfen hatte die Staatsanwaltschaft einem Schaumburger, vier Kinder aus seiner Familie in insgesamt 81 Fällen schwer missbraucht oder sexuell genötigt zu haben. Schuldig gesprochen hat das Bückeburger Landgericht den 54-Jährigen am Freitag wegen zehn Taten. Für sieben Jahre und neun Monate Haft reichte es trotzdem.

Äußerlich zeigte der Angeklagte beim Urteil keine Regung. In acht Fällen hatte sich der Mann an einer anfangs sechs Jahre alte Stiefenkelin vergangen, zweimal war ein 13-jähriger Stiefsohn das Opfer. Ein Teil des Verfahrens war bereits vor den Plädoyers eingestellt worden, mehrere Taten sind verjährt.

Den Angeklagten, einen Mann von untersetzter Statur, beschrieb die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus als „Menschen, der sich allein durch sein Auftreten Geltung verschaffen kann“. Gelebt habe er „in einer privaten Welt der Duldung“. Das seelische Leid der missbrauchten Kinder nannte die Richterin „unermesslich groß“. Alkoholiker ist der Schaumburger nach eigenen Angaben seit 20 Jahren. Mit 15 saß er zum ersten Mal im Gefängnis, damals noch wegen diverser Diebstähle.

Kind mit Stieftochter

Zugegeben hatte der Arbeiter, mit einer Stieftochter ein Kind gezeugt zu haben. Nicht sicher nachweisen lässt sich, dass das kleine Mädchen ebenfalls vergewaltigt worden ist, als es fünf oder sechs Jahre alt war. In 43 Fällen hat das Gericht den Angeklagten daher freigesprochen.

Für möglich hält die Kammer, dass es auch zu diesen Übergriffen gekommen ist. Wenn Aussage gegen Aussage steht, werden an die Glaubwürdigkeit mutmaßlicher Opfer jedoch besonders hohe Anforderungen gestellt. „Zweifel“, so Brüninghaus, „müssen sich immer zugunsten des Angeklagten auswirken.“ Und Zweifel gibt es. So habe die leibliche Tochter von sich aus kaum Details geschildert. Andere Zeugen hätten Taten viel lebendiger und detaillierter beschrieben, obwohl diese Fälle länger zurücklägen. Dass die Tochter vor Gericht gelogen hat, behauptet der Richter nicht.

Revision gegen das Urteil

Noch am Freitag hat die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Revision eingelegt, wie Behördensprecher Klaus Jochen Schmidt auf Anfrage bestätigte. Staatsanwältin Denise Homann hält den Angeklagten in 53 Fällen für schuldig. Sie hatte zwölfeinhalb Jahre Haft gefordert und die Unterbringung des 54-Jährigen in der Sicherungsverwahrung beantragt. Davon sah das Gericht jedoch ab. Vor allem sieht die Kammer in dem Mann keine Gefahr für die Allgemeinheit.

Der Arbeiter, so hieß es, habe sich nicht wahllos Opfer gesucht, sondern Kinder aus seiner Familie missbraucht, die „verschüchtert und wehrlos“ gewesen seien. „Es ist nicht anzunehmen, dass er nach der Haftentlassung wieder in solch eine familiäre Situation gerät“, erklärte Richterin Brüninghaus. Hinzu kommt, dass Sicherungsverwahrung umstritten ist, seit das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Regelungen im Mai 2011 für verfassungswidrig erklärt hat.

Stefan Lyrath

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