Gewaltsamer Tod in Einbeck

58-Jährige nach Mord freigesprochen

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Foto: Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 83-jährigen Frau in Einbeck ist die angeklagte Tochter freigesprochen worden.

Göttingen - In einer Garage wurde die Leiche einer 83-Jährigen gefunden. Die Tochter der Frau wird angeklagt. Nun hat das Landgericht Göttingen die 58-Jährige freigesprochen.

Die Kammer habe in dem fast sechs Monate dauernden Prozess alles versucht, um die Tat aufzuklären, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Trotz der umfangreichen Beweisaufnahme habe sich nicht zweifelsfrei nachweisen lassen, dass die Angeklagte ihre Mutter getötet habe. Es könnten auch Nachbarn oder eine dritte Person gewesen sein. Die 58-Jährige hatte nach ihrer Festnahme im April 2013 rund acht Monate in Untersuchungshaft gesessen. Sie bekommt nun eine Entschädigung für die Festnahme, die Haft sowie die Durchsuchungen der Polizei in ihrem Haus.

Die Richter folgten mit ihrem Urteil dem Antrag der Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten wegen Totschlags und Unterschlagung gefordert. Die Angeklagte habe die 83-Jährige getötet, um sich in den Besitz von 30.000 Euro zu bringen, die diese im Schlafzimmer aufbewahrt hatte.

Die 58-Jährige hatte mit der Mutter in einem Fachwerkhaus in der Einbecker Altstadt gewohnt. Am 19. April 2013 hatte sie ihre Mutter als vermisst gemeldet. Erst nach einer mehrtägigen Suche fand die Polizei die Leiche der 83-Jährigen in der Garage. Noch am selben Tag wurde die Tochter festgenommen.

Nach Ansicht des Gerichts hat die Polizei zu einseitig ermittelt und sich zu schnell auf die Tochter als Tatverdächtige festgelegt. Die Ermittler stützten ihren Verdacht vor allem darauf, dass sich auf dem Ofendichtband, mit dem die 83-Jährige stranguliert worden war, eine DNA-Spur der 58-Jährigen befand. Dieses Indiz allein sei jedoch kein Beweis für ihre Täterschaft, zumal sich auf dem Tatwerkzeug auch DNA-Material einer unbekannten männlichen Person befunden habe, sagte der Vorsitzende Richter. Die Polizei hätte ihre Ermittlungen breiter führen müssen. So habe auch ein Ehepaar aus der Nachbarschaft Zugang zum Wohnhaus und zur Garage gehabt. Die Polizei hatte die Nachbarn zwar zunächst ebenfalls als Verdächtige in Betracht gezogen, aber nicht weiter in diese Richtung ermittelt. Ein Polizist hatte dies damit begründet, dass der Ehemann im Schäferhundeverein und die Ehefrau im Judoverein engagiert seien. Nach Ansicht des Gerichts ist auch unklar, wann die 30 000 Euro aus der Kommode der 83-Jährigen weggekommen sind. Dies könne bereits vor der Tat geschehen sein. Das Geld ist bis heute verschwunden.

Heidi Niemann

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