Verschmutzung der Gewässer

75.000 Liter Gülle töten seltene Forellen

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Foto: Eine tote Bachforelle in Evinghausen im Venner Mühlenbach. Etwa 75.000 Liter Gülle waren am 12.03.2014 nach einem Unfall in die Gewässer gelangt.

Bramsche/Hannover - Bei einem Gülleunfall nahe Bramsche im Landkreis Osnabrück sind etliche Bachforellen zu Tode gekommen. Der Landessportfischerverband sprach am Montag von verheerenden Folgen für den betroffenen Venner Mühlenbach.

Das Unglück, bei dem etwa 75 000 Liter Gülle in den Bach flossen, ereignete sich bereits am vergangenen Mittwoch. Polizei und der Landkreis bestätigten am Montag, dass eine defekte Dichtung an einem Gülleauffangbecken die Ursache gewesen sei. Der Landwirt habe zwar rasch reagiert - die Folgen für das Gewässer waren aber dennoch groß.

Bei einer Stichprobe entdeckten Experten laut Landessportfischerverband noch am Wochenende auf einem 300 Meter langen Bachabschnitt 20 verendete Bachforellen - eine in Niedersachsen seltene Fischart, die 2013 „Fisch des Jahres“ war. Mit der Wahl wollte man besonders auf die Folgen von Gewässerverschmutzung aufmerksam machen. Im normalerweise sauerstoff­reichen Venner Mühlenbach mit seinem steinigen und kiesreichen Bachbett findet die Bachforelle nahezu ideale Lebensbedingungen.

Die Größe der toten Fische lag zwischen handgroß und 35 Zentimetern, was vermuten lässt, dass sich die Population im Venner Mühlenbach in den letzten Jahren positiv entwickelt hat - bis die Gülle kam. „Nach der Einleitung sinken die Sauerstoffwerte binnen weniger Stunden auf ein tödliches Maß und die Fische ersticken“, sagte der LSFV-Gewässerschutzexperte Ralf Gerken.

Gülle entzieht dem Wasser laut Gerken eine Menge Sauerstoff und produzieren dabei Nitrit und Ammonium. Der etwa zehn Kilometer lange Bach wird Jahre brauchen, um sich zu erholen. Der Verband forderte mehr Kontrollen und strengere Auflagen. Handlungsbedarf gebe es: Nach Angaben des Statischen Bundesamtes wurden im Jahr 2012 in Deutschland rund 10,5 Millionen Liter Jauche und andere das Wasser gefährdende Stoffe bei 157 Unfällen freigesetzt.

Björn Ludewigs / Heiko Lossie

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