Tat aus Verzweiflung

78-Jähriger wegen Mordes an Ehefrau erneut vor Gericht

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Foto: Der 78-jährige Angeklagte Ottmar B. sitzt mit seinem Anwalt Matthias Koch im Verhandlungssaal des Landgerichts in Stade.

Stade - Vor vier Jahren erschoss ein Rentner seine 21 Jahre jüngere Ehefrau. In einem ersten Prozess wurde der Mann zu zwei Jahren und sechs Monaten wegen Tötung auf Verlangen verurteilt. Der BGH kassierte das Urteil aber – nun steht der 78-Jährige wegen Mordes vor Gericht.

Ein 78 Jahre alter Mann steht wegen Mordes an seiner Ehefrau erneut vor Gericht. Die Anklage wirft dem Rentner aus Oyten vor, im Juni 2009 seine 53 Jahre alte Ehefrau im Schlaf erschossen zu haben. Die Frau war längere Zeit schwer krank und litt unter starken Schmerzen. In einem ersten Prozess vor dem Landgericht Verden wurde der geständige Schütze wegen Tötung auf Verlangen zu einer Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ins Gefängnis musste er wegen altersbedingter Haftunfähigkeit aber nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert und nach dem Urteil Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil schließlich auf.

Der Angeklagte habe im Zustand verminderter Schuldfähigkeit im Wohnhaus in Oyten (Kreis Verden) seine schlafende Frau mit einem Kopfschuss getötet, sagte Staatsanwältin Alexandra Stöber am Donnerstag. Anschließend habe er den Hund erschossen und versucht, sich durch einen Bauchschuss selbst zu töten. Er überlebte schwer verletzt. Aus Sicht der Anklage sei die Tat als Mord zu werten. Der 78-Jährige habe damals unter einer Persönlichkeitsstörung gelitten und sei verzweifelt über seine finanzielle Situation gewesen.

Nach den Ausführungen des vorsitzenden Richters Stefan Tomczak hielt das Urteil laut BGH-Beschluss in Teilen einer rechtlichen Überprüfung nicht stand. Die getroffenen Feststellungen reichten nicht aus, um die feste Willenserklärung des Opfers zu untermauern. Tötung auf Verlangen setze voraus, dass der Wunsch ernsthaft und freien Willens sei. Er sei dann zu versagen, wenn es sich um eine depressive Augenblickstimmung wegen einer schwere Krankheit handele, führte Tomczak weiter aus. Der BGH hatte den Fall daher ans Landgericht Stade verwiesen.

Vor Beginn der Verhandlung wirkte der Angeklagte zunächst unaufgeregt. Doch als der Richter ihn nach seinen Personalien fragte, konnte er unter Tränen nur stockend antworten. Sein Mandant stehe psychisch stark unter Druck wegen des Verfahrens, erklärte Rechtsanwalt Matthias Koch. Der Angeklagte habe die Tat nie in Abrede gestellt und wollte in dem neuen Verfahren selbst aussagen. „Er ist so aufgeregt, dass er aber heute nichts sagen kann“, sagte Koch.

Laut einem ärztlichen Attest ist der Angeklagte an einem Prozesstag drei Stunden verhandlungsfähig. Bis Ende September sind daher Fortsetzungstermine geplant. Nächster Verhandlungstag ist kommenden Dienstag (21. Mai).

dpa

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