Lauf, Ziel - und Tod

86-Jährige stirbt nach New-York-Marathon

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Foto: „Eine Läuferin im besten Sinne“: Joy Johnson (r.) mit Moderator Al Roker.

New York - Der 25. Lauf war der letzte: Als älteste Teilnehmerin erreichte Joy Johnson am Wochende das Ziel des legendären New-York-Marathons. Nur einen Tag später starb die unermüdliche 86-Jährige, deren Optimismus viele Amerikaner ansteckte.

Mit 86 Jahren hat Joy Johnson zum 25. Mal den New-York-Marathon erfolgreich absolviert, einen Tag später schlief sie in ihrem Hotel friedlich ein. Damit hat die passionierte Läuferin aus San José in Kalifornien fast ihren Lebenstraum erfüllt. „Ich will beim Laufen sterben“, hatte Johnson gegenüber ihren Freunden und Laufpartnern einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge immer betont. Nun ist sie 86-jährig gestorben, nachdem sie in New York nach 7 Stunden und 57 Minuten ins Ziel gelaufen war. „Sie starb, wie sie es wollte - auf ihre Art“, sagte ihr Freund Will Sanchez gegenüber „Today News“.

Beim Marathon am Sonntag war Johnson zwar bei Kilometer 32 kurz gestrauchelt und hatte sich Schnitte im Gesicht zugezogen. Sie lief aber zunächst weiter und ließ sich erst nach dem Ziel von einem Arzt behandeln. Ins Krankenhaus wollte sie nicht. Stattdessen absolvierte die ehemalige Sportlehrerin ihr übliches New-York-Ritual mit einem Besuch bei der „Today Show“ am Rockefeller Center. Dort plauderte sie mit dem bekannten Wettermoderator Al Roker, bevor sie wenig später im Hotel verstarb.

Joy Johnson wuchs auf einer Milchfarm in Minnesota auf, wurde Sportlehrerin und zog später nach Kalifornien, weil sie die Kälte leid war. Dort begann sie nach ihrer Pensionierung im Alter von 56 Jahren mit dem Laufen. Jeden Morgen stand die Seniorin um 4 Uhr auf und lief zwei Stunden lang durch die Nachbarschaft ihrer 50er-Jahre-Farm.

„Sie rannte niemals, um sich mit anderen zu messen, sondern weil sie es liebte“, sagte Johnsons jüngste Tochter Diana Boydston. Neben dem Glauben sei ihr die Familie besonders wichtig gewesen. Dennoch kann Joy Johnson auf eine Reihe von Erfolgen zurückblicken. Unter anderem gewann die Seniorin seit 1997 beim New-York-Marathon fünfmal in der Altersgruppe der 80- bis 90-Jährigen.

Ihre Bestzeit lief sie 1999 mit weniger als vier Stunden. Noch in ihren Siebzigern lief die Kalifornierin elf Rennen im Jahr, darunter der Zwölf-Kilometer-Lauf durch San Francisco und der Januar-Halbmarathon in St. Paul. „Es ist hundekalt, aber es macht riesigen Spaß“, sagte sie dem „Wallstreet Journal“ im Jahr 2008. Johnson sei „eine Läuferin im besten Sinne“ gewesen, hieß es dort.

„Sie ging glücklich von uns“, sagte ihre Tochter. „Sie hätte nicht mehr verlangen können - außer vielleicht noch ein paar mehr Jahre.“

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