Autobahnstrecke Hamburg-Bremen

A1-Baustelle endet nach vier Jahren

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Foto: Nach vier Jahren soll die Baustelle auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen am 11.Oktober offiziell beendet werden.

Sittensen - Wenn die Bauarbeiten auf der Autobahn 1 zwischen Hamburg und Bremen am 11. Oktober mit einer Feier auch offiziell beendet werden, geht für viele Autofahrer eine vierjährige Baustellentortur zu Ende.

Seit 2008 hat das Konsortium A1 mobil auf rund 73 Kilometern Länge die Strecke in 13 Abschnitten für rund 650 Millionen Euro komplett erneuert. Neue Brücken und Parkplätze, viele Lärmschutzwände und durchgehend drei Fahrstreifen je Richtung sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft. Das Konsortium hat die Strecke finanziert und gebaut. A1 mobil erhält dafür bis zum Jahr 2038 einen Teil der Einnahmen aus der Lkw-Maut und muss über die 30-jährige Laufzeit auch für den Unterhalt der Strecke sorgen.

Interview mit dem Betreiber der A1

Der Betreiber der Autobahn 1 zwischen Bremen und Hamburg, A1 mobil, kann nur Geld verdienen, wenn viele Lastwagen auf der Strecke unterwegs sind und Maut zahlen. Schon aus diesem Grund liege es im Interesse seines Unternehmens, die gerade erneuerte und jetzt dreispurige Strecke zwischen den beiden Hansestädten in einem guten Zustand zu halten, sagt der Geschäftsführer von A1 mobil, Lutz Hoffmann.

Im Interview erklärt er die Besonderheiten der öffentlich-privaten Zusammenarbeit.

Mit wie vielen Jahren ohne neue Baustellen können Autofahrer auf der Strecke jetzt rechnen?

Hoffmann: „Das hängt von den Erhaltungszyklen der jeweiligen Fahrbahnen ab. Es gibt Bereiche mit offenporigem Asphalt, dort beginnen in sieben bis acht Jahren ganz normale Erneuerungsmaßnahmen. Dann werden die obersten vier Zentimeter des Belags erneuert. Im weit überwiegenden Bereich der Strecke wird sich das für 12 bis 15 Jahre nur auf kleinere Reparaturen beschränken, dort sind umfangreichere Reparaturen nicht vorgesehen.“

Haben Sie nach anderen Qualitätsmaßstäben gebaut, als es der Staat macht ?

Hoffmann: „Wir bauen im Prinzip nach denselben Vorschriften, nach denen auch der Staat baut. Wir haben uns das eine oder andere zusätzlich überlegt, um einen höheren Qualitätsstandard zu erreichen, von dem wir uns versprechen, dass wir nach hinten raus weniger Erhaltungsaufwendungen haben.“

Stecken Sie mehr oder weniger Geld in die Unterhaltung der Strecke als der Staat?

Hoffmann: „Die Anfangsinvestition ist vielleicht ein wenig höher. Das ist gut investiertes Geld, wenn ich in 10 oder 20 Jahren deutlich weniger an der Fahrbahn machen muss, als das sonst üblicherweise der Fall ist. Der Staat kann immer nur so viel Geld in die Straßen stecken, wie gerade die Straßenbauämter Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Bei uns ist es so vorgesehen, dass auf Reservekonten Geld abrufbereit steht, um zum rechten Zeitpunkt auch in kleinere Reparaturen investieren zu können und damit große Reparaturen zu vermeiden.“

Sie finanzieren sich über die anteilige Lkw-Maut. Haben Sie ein Risiko, falls der Verkehr wegen einer Wirtschaftskrise einbrechen sollte?

Hoffmann: „Wir haben das komplette Verkehrsmengenrisiko übernommen. In unserem Modell A 1 ist es sogar so, dass der Staat einen monatlichen Sockelbetrag aus der Mauteinnahme erhält und lediglich das, was über diesen Sockelbetrag hinausgeht, in unsere Kasse fließt. Es ist also ein Anreiz für uns, die Strecke möglichst frei von Baustellen zu halten, um viel Verkehr anzuziehen.“

Die Arbeiten wurden drei Monate eher als geplant fertig. Hatten Sie einfach Glück mit dem Wetter oder gibt es andere Gründe?

Hoffmann: „Ich denke, es war die Summe der Dinge. Sicher haben wir mit dem Winter 2011/2012 Glück gehabt. Wir hatten vorher aber auch strenge Winter, insofern haben wir nicht über die gesamte Bauzeit das Glück der milden Winter gehabt. Der Hauptaspekt ist ganz klar, dass es von Anbeginn sehr straff durchorganisiert gewesen war und die Logistik der sieben parallel laufenden Baustellen sehr ausgefeilt war.“

Gibt es weitere Pläne des Konsortiums?

Hoffmann: „Um den Ausbau der A 7 nördlich des Elbtunnels bewirbt sich ein Konsortium bestehend aus Bilfinger Berger und Bunte, so dass sich dort möglicherweise eine ähnliche Konstellation wiederfindet.“

Fakten: Die neue Autobahn 1 in Zahlen

Was braucht man, um eine 73 Kilometer lange Autobahn komplett zu erneuern und auszubauen? Mehr als Schaufel, Schubkarre und Bauarbeiter musste das Konsortium A1 mobil schon aufbieten. Ein Großprojekt in Zahlen: 1 Autobahndreieck 8 Anschlussstellen 18 Park- und Rastanlagen 36 Überführungen 38 Unterführungen 68 Absetz- und Regenrückhaltebecken 218 Hektar Ausgleichsflächen 10.400 Tonnen Spann- und Baustahl Brückenbauwerke 68.000 Meter Betonrohre 76.000 Kubikmeter Beton für Brücken 105.000 Quadratmeter Lärmschutzwände 995.000 Quadratmeter Fahrbahn in Asphaltbauweise 1.173.000 Quadratmeter Fahrbahn in Betonbauweise 2.000.000 Kubikmeter Erdarbeiten650.000.000 Euro Kosten

dpa/mhu

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