Hubschrauber für alle

Abflug zum Arbeitsplatz

+
Viel Luft zum Überholen: Eine Designstudie zeigt, wie sich der Liverpooler Forscher Gareth D. Padfield einen Skyrider vorstellt.

Braunschweig - Der Weg zur Arbeit im eigenen Hubschrauber - das klingt heute zwar noch ein wenig aus der Luft gegriffen. Aber Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern haben vier Jahre lang an dem EU-Forschungsprojekt „MyCopter“ gearbeitet, in dem neuartige Wege zum individuellen Luftverkehr entwickelt werden sollten.

Am Donnerstag stellte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig ein zentrales Ergebnis vor: eine neue Lenkradsteuerung, die das Fliegen für Nicht-Piloten vereinfachen könnte. Damit soll sich nach Angaben des DLR ein Drehflügler in Zukunft steuern lassen wie ein heutiges Auto.

„Bisher muss ein Hubschrauberpilot alle vier Steuerachsen gleichzeitig im Blick behalten“, erläutert Bianca Schuchardt vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik. Dazu muss er zwei Steuer und zwei Pedale bedienen. „Besonders im Schwebeflug erfordert es höchste Konzentration, wenn der Pilot beide Hebel und Pedale gleichzeitig bedienen muss, um stabil in der Luft zu bleiben.“ In Zukunft könne der Pilot mit der entsprechenden Drehbewegung des Lenkrads den Hubschrauber in die gewünschte Richtung fliegen, sagt Schuchardt weiter. Die Pedale kontrollieren wie bei Gas und Bremse im Auto die Geschwindigkeit. „So soll das Wissen, das Autofahrer in Jahren angesammelt haben, auf einen Hubschrauberflug übertragen werden“, sagt Schuchardt.

Im Mittelpunkt des gesamten Forschungsprojekts stand, grundlegende Technologien für sogenannte Personal Aerial Vehicles (PAV), also Luftfahrzeuge für den persönlichen Gebrauch, zu entwickeln. Die Handhabung zukünftiger PAVs für jedermann zu ermöglichen sei eine große Herausforderung, sagt Stefan Levedag, Leiter des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik. Neben der Lenkung arbeiteten die Braunschweiger Wissenschaftler zudem an einem Display, das einfach zu verstehen ist. So soll die Ausbildung zukünftiger Nutzer privater Flugobjekte deutlich vereinfacht werden. „,MyCopter‘ hat dazu beigetragen, entscheidende Technologien zu entwickeln, um Personal Aerial Vehicles in der Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt Projektleiter Heinrich H. Bülthoff vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik.

Bis die ersten Menschen zur Arbeit oder zum Einkaufen schweben statt fahren, wird es aber noch dauern. „Das fliegende Auto werden wir auf sehr lange absehbare Zeit sicherlich nicht sehen“, sagt Levedag. Noch gebe es viele Hürden. Die Kosten seien enorm und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer nicht gewährleistet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare