Familiendrama

Abschied in Ilsede

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Mit großen Porträtfotos wurde der vier getöteten Kinder gedacht. Sie wurden vermutlich von ihrem Vater ermordet. Der 36-Jährige ist noch immer nicht vernehmungsfähig.dpa

Peine - Mit einer bewegenden Trauerfeier haben rund 550 Menschen in Ilsede am Sonnabend Abschied von vier Geschwistern im Alter von fünf bis zwölf Jahre genommen. Die Kinder wurden vermutlich von ihrem Vater ermordet.

Wieder ist man eng zusammengerückt: Neun Tage nach dem Tod von vier Geschwistern im Alter von fünf bis zwölf Jahren in Ilsede bei Peine haben rund 550 Menschen am Sonnabend von den Kindern Abschied genommen. Die Gäste kamen - wie von der Familie der Opfer gewünscht - nicht in Trauerkleidung zu dem ökumenischen Gottesdienst in die katholische St. Bernward-Kirche. Viele legten vor Beginn der Trauerfeier Blumen vor dem Altar nieder, vor dem vier überdimensionale Porträts der Kinder aufgestellt waren. Davor kam es immer wieder zu stillen Umarmungen, Menschen tupften sich die Augen trocken, nickten sich zu: Man kennt sich, man fühlt, dass man zusammengehört, besonders an diesem Tag, an dem selbst das vertraute Kirchengeläut verhaltener zu klingen schien als sonst.

Schon eine Stunde vor Beginn des ökumenischen Gottesdienstes füllte sich die 1959 gebaute Kirche. Die 400 Sitzplätze waren schnell besetzt, am Rande standen weitere 150 Besucher eng gedrängt. Alle Besucher fanden jedoch Platz, niemand musste die Andacht von draußen verfolgen.

Der evangelische Pastor Walter Faerber, der den Gottesdienst zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen Thomas Mogge hielt, erinnerte an die vier Kinder: an die zwölfjährige Pia mit ihrer Liebe zu Büchern und zur Musik und ihre kleinen Brüder Lio, Lean und Noah. Der neunjährige Noah habe für Fußball und Star Wars geschwärmt, der siebenjährige Lean, Lenny genannt, sei mit seinem Kettcar durchs Dorf gerast und der „Draufgänger“ unter den Geschwistern gewesen. Der Kleinste, Lio, hätte nach den Sommerferien in die Schule kommen sollen. Er habe gern mit Lego gespielt und sei für „seine coolen Sprüche“ bekannt gewesen, sagte Faerber.

Während der Pastor seine Ansprache für die Lieblingshits der Vier unterbrach, tastete sich der kleine Arm eines Kindes tröstend um die Schultern seiner Mutter, die still in ihr Taschentuch weinte.

Der Mutter der Geschwister galt Faerbers besondere Aufmerksamkeit. Mit „liebe Freunde“ sprach er die Trauergemeinde an, bat sie sehr eindringlich, gemeinsam mit ihm auf den Tag hinzuarbeiten, an dem diese Mutter „einfach nur wieder eine Bürgerin unseres Ortes ist“. Und: „Drückt ihr einfach die Hand, ein bisschen länger als sonst.“ An die Gemeinde appellierte der Pastor, der Mutter keine Ratschläge, aber Zeit zu geben, um ihr Leben zurück zu gewinnen.

„Wir wollen die Angehörigen, insbesondere die Mutter, nicht nur emotional, sondern auch finanziell unterstützen“, sagte der Arzt Thomas Roy, einer der Initiatoren der Spendenaktion „Vier Sterne für Ilsede“.

Der tatverdächtige Vater soll die Kinder in dem kleinen Reihenhaus der Familie getötet haben. Der 36-Jährige ist nach einem Suizidversuch weiterhin nicht vernehmungsfähig. Die Mutter war zum Tatzeitpunkt im Urlaub. Als Motiv vermuten die Ermittler Eheprobleme. Die Tat hat viele fassungslos und ratlos gemacht. „Vielleicht wird es irgendwann eine Gerichtsverhandlung geben, die Erklärungen an den Tag befördert“, sagte Pastor Faerber in seiner Ansprache. Es müsse sich aber nicht jeder mit den Einzelheiten der grauenvollen Tat auseinandersetzen.

Ulrich Jaschek

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