3 Tote nach Absturz

Absturz aus heiterem Himmel

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Foto: Der Rettungshubschrauber "Christoph Offshore 2" wurde am Sonntag geborgen.

Warnemünde - Der Absturz eines Rettungshubschraubers in der Ostsee stellt die Ermittler vor ein Rätsel. Fachleute sollen das Wrack nun untersuchen und herausfinden, warum drei Besatzungsmitglieder am Freitagabend starben.

Nach dem Absturz eines Rettungshubschraubers vor der Ostsee-Halbinsel Fischland-Darß-Zingst mit drei Toten stehen die Ermittler vor einem Rätsel: Die Maschine der DRF Luftrettung war am Freitagabend bei guter Sicht und spiegelglatter See offenbar urplötzlich ins Meer gestürzt. Das Team galt als erfahren.

Bei dem Unfall während einer Routineübung nahe dem Windpark Baltic 1 waren neben dem Piloten, einem 53-jährigen Bayern, auch ein 47-jähriger Notarzt aus Mecklenburg-Vorpommern und ein 45-jähriger Rettungsassistent aus Sachsen ums Leben gekommen. Der 47-jährige Ko-Pilot aus Rheinland-Pfalz überlebte das Unglück. Er sei aus dem Krankenhaus entlassen worden, stehe aber unter Schock, sagte Carolin Henschke vom Polizeipräsidium Neubrandenburg am Sonntag. Er konnte noch nicht befragt werden.

Das Unglück ereignete sich auf einem der wöchentlichen Trainingsflüge, bei denen Rettungseinsätze geprobt werden, sagte der Stationsleiter der DRF Luftrettung, Reiner Fischer. Ehe der Hubschrauber „Christoph-Offshore 2“ gegen 19 Uhr abstürzte, hatte sich der Notarzt zweimal abgeseilt und war ohne Probleme wieder an Bord gezogen worden. Beim Abfliegen sei der Hubschrauber dann aus einer Höhe von weniger als 150 Metern abgesackt und ins vier Grad kalte Wasser gestürzt. „Wir können uns das nicht erklären“, sagte Fischer. Der Hubschrauber sei in technisch einwandfreiem Zustand gewesen.

Der zwei Kilometer entfernte Seenotrettungskreuzer „Theo Fischer“ konnte die beiden Piloten, die im Wasser trieben, rasch bergen, der 53-Jährige erlag später seinen Verletzungen. Der Arzt und der Assistent hätten es nicht mehr geschafft, den Hubschrauber zu verlassen, sagte Polizeisprecherin Henschke. Experten gehen davon, dass das Unglück ohne jede Vorwarnung geschah. Die Luftkissen, die im Ernstfall verhindern sollen, dass die Maschine im Wasser versinkt, seien nicht aufgeblasen gewesen. Im Notfall würden sie von der Besatzung elektrisch oder manuell aktiviert. „Allein die Tatsache spricht dafür, dass dieser Zwischenfall für die Besatzung total überraschend gekommen ist“, sagte DRF-Stationsleiter Fischer. Beide Piloten galten mit 9500 und 7000 Flugstunden als sehr erfahren – auch im Offshore-Einsatz vor der Küste.

Das Wrack des zwölf Jahre alten Helikopters vom Typ BK 117, das vor der Halbinsel Darß sank, war am Sonnabend aus sieben Metern Tiefe geborgen worden. Gestern brachte das Bergungsschiff „Arkona“ den von außen nur leicht beschädigten Helikopter nach Warnemünde, wo er von Kriminalbeamten und Experten der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersucht und konserviert wurde. Die Auswertung der Flugdaten könne mehrere Wochen in Anspruch nehmen, sagte Henschke. Zunächst müssten der Bericht der Rechtsmedizin abgewartet werden. „Christoph-Offshore 2“ war erst seit Oktober 2013 im Auftrag der Energiekonzerne EnBW und 50Hertz Transmission auf Rügen stationiert, die in der Ostsee Windparks errichten und Unterseekabel verlegen.

Noch in der Nacht zum Sonnabend reisten Angehörige der Toten an die Küste, um Abschied zu nehmen. Sie werden von DRF-Mitarbeitern und Seelsorgern betreut. Für die Luftrettung und ihre Tochterorganisationen, die jährlich rund 38 000 Einsätze absolvieren, war es der fünfte Absturz in 41 Jahren.

dpa

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