Air Algérie

Absturz im Krisenland Mali löst Spekulationen aus

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Foto: Das verschollene Flugzeug gehört der spanischen Gesellschaft Swiftair.

Algier - Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA führt Mali als eines der Länder, in denen Flugzeugen Gefahr von Raketen droht. Jetzt stürzt in dem Krisenstaat eine vor allem mit Franzosen besetzte Maschine ab. Niemand mag ein Verbrechen ausschließen.

Der Absturz eines Passagierflugzeugs über dem westafrikanischen Krisenstaat Mali hat am Donnerstag beunruhigende Ungewissheit über die Unglücksursache ausgelöst. War es ein technischer Defekt? Ein Pilotenfehler? Ein Attentat? Unwetter? Oder vielleicht sogar ein mutmaßlicher Abschuss wie in der Ukraine?

Auch wenn es zunächst keinerlei Hinweise auf einen Terrorakt gab, wollte niemand ein Verbrechen gegen die Maschine ausschließen. Zu oft hatte es zuletzt Anschlagsdrohungen gegen Frankreich gegeben, das in Mali seit anderthalb Jahren federführend an einem Militäreinsatz gegen aufständische Islamisten beteiligt ist. Die Maschine, in der laut ausführender Airline auch vier Deutschen saßen, war vor allem mit Franzosen besetzt.

Die Regierung in Paris gab sich entsprechend wortkarg. Bis zum späten Nachmittag wollte sie nicht einmal bestätigen, dass die algerische Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-83 mit fast 120 Menschen an Bord abgestürzt ist. Angesichts der 51 französischen Passagiere trat jedoch Frankreichs Präsident François Hollande am Abend vor die Presse und betonte, dass alles auf einen Absturz hindeute.

In Malis Hauptstadt Bamako bestätigte später Präsident Ibrahim Boubacar Keita, dass das Wrack im Norden des riesigen Landes zwischen Kidal and Tessalit entdeckt worden sei.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte, dass unter anderem mit zwei französischen Kampfflugzeugen vom Typ Mirage 2000 nach Trümmern gesucht worden sei. Die in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou gestartete Maschine sei nach ersten Erkenntnissen wegen schlechten Wetters von ihrer eigentlichen Flugroute nach Algier abgewichen.

Als zentrales Suchgebiet nannte Fabius zunächst die Region Gao im Nordosten des Landes. Dort hatte es noch vor kurzem heftige Kämpfe zwischen Anti-Terror-Truppen und Rebellen gegeben. Erst vor rund einer Woche starb in dem Wüstengebiet ein französischer Soldat bei einer Aufklärungsoperation.

Spekulationen über einen möglichen Abschuss wurden vor allem von seit langem kursierenden Berichten über im libyschen Bürgerkrieg verschwundene Boden-Luft-Raketen genährt. Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA führt Mali als eines der Länder, in denen Flugzeugen Gefahr von solchen Waffen drohe.

Nicht unbedingt für Beruhigung sorgten zudem Aussagen der französischen Luftaufsichtsbehörde DGAC. Demnach wurde die Unglücksmaschine erst vor wenigen Tagen in Marseille untersucht. Man habe quasi nichts gefunden, erklärte DGAC-Chef Patrick Gandil. Das Flugzeug sei in einem guten Zustand gewesen, sagte er.

Was auch immer sich letztendlich als Absturzursache herausstellt: Für Frankreich ist die Flugzeugkatastrophe schon jetzt die schlimmste seit Pfingstmontag 2009. Damals waren bei dem Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik 72 Franzosen ums Leben gekommen. An mehreren französischen Flughäfen wurden am Donnerstag für Angehörige des Flugs AH5017 Anlaufstellen eingerichtet.

„Wir stehen fest an der Seite der Familien, die von diesem Drama betroffen sind“, kommentierte Außenminister Fabius und erinnerte dabei auch an die zahlreichen Opfer der beiden jüngsten anderen Flugzeugunglücke in der Ostukraine und in Taiwan.

dpa/afp

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