"Norman Atlantic"

Acht Tote nach Adria-Fährunglück

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Am Montag gegen 6 Uhr morgens waren 251 Menschen in Sicherheit gebracht worden

Rom - Für die 407 Passagiere der brennenden Adria-Fähre hat der Alptraum ein Ende: Laut Aussage von Italiens Premierminister Matteo Renzi befinden sich nur noch der Kapitän und vier Marine-Mitglieder auf dem Schiff, alle Gäste sind von Bord. Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf acht.

Unklarheiten gibt es über die Zahl der Vermissten: Offenbar gab es Ungereimtheiten mit der Passagierliste. An Bord waren laut Passagierliste 478 Menschen, darunter 18 Deutsche. Medien hatten zuvor über rund 40 Vermisste spekuliert. Unter den Geretteten waren aber auch Menschen, die nicht auf der Liste standen, hieß es auf der Pressekonferenz. Möglicherweise handelt es sich um illegale Einwanderer. Auch die Identität der Toten ist noch nicht geklärt.

Im Hafen von Bari waren die Rettungskräfte im Großeinsatz, Krankenhäuser waren in Alarmbereitschaft. Die meisten Geretteten auf demSchiff stammten aus Griechenland, auch mehrere Kinder waren darunter, wie die Behörden im Hafen mitteilten. Der Präfekt von Bari sagte, den Geretteten an Bord des Schiffes gehe es wohl gut. Die "Spirit" war in der Nähe, als sich das Unglück am Sonntagmorgen nordwestlich der griechischen Insel Korfu ereignete. Die havarierte Fähre "Norman Atlantic" treibt derzeit noch vor der albanischen Küste. Die Rettungskräfte waren in der Nacht durchgängig im Einsatz, doch Dunkelheit und dichter Rauch machten ihnen zu schaffen. Der Marine zufolge wurden Ärzte an Bord gebracht.

Ursache für Brand weiter unklar

"Die ganze Nacht holten die Hubschrauber hier Leute herunter, und ich warte, bis ich an der Reihe bin" sagte der Lkw-Fahrer Kostas Bletsas von Bord via Handy dem Radiosender Skai. Es gehe den Menschen den Umständen entsprechend gut, und sie würden versorgt. Verletzte gebe es auf dem Schiff nicht, fügte er hinzu. Den Berichten zufolge ist der Brand unter Kontrolle. Eine am Abend begonnene Abschleppaktion des Schiffes sei unterbrochen worden. Die Evakuierung erfolge weiter aus der Luft.

Die Fähre der griechischen Anek Lines war auf dem Weg von Patras in Griechenland nach Ancona in Italien, als am frühen Sonntagmorgen vermutlich auf dem Autodeck ein Feuer ausbrach. Das Schiff trieb anschließend manövrierunfähig zwischen der italienischen und albanischen Küste. 478 Menschen waren laut Passagierliste an Bord, darunter wahrscheinlich auch 18 Deutsche. Sturm und hohe Wellen hatten den Hilfseinsatz erschwert.

Flammen sind unter Kontrolle

Die meisten der Geretteten wurden mit Hubschraubern auf andere Schiffe gebracht. Mehrere Menschen, darunter eine Schwangere und Kinder, kamen ins Krankenhaus. Ein Grieche starb beim Sprung von Bord. Die Flammen an Bord der Fähre seien unter Kontrolle, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Es könnte jedoch weitere Glutnester im Inneren des Schiffes geben, und es qualme weiter. Das italienische Marine-Schiff "San Giorgio" steuert den Einsatz.

Über die Ursache des Brandes auf dem Schiff wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen. Bei einer Kontrolle sollen Mängel auf dem Schiff festgestellt worden sein, unter anderem an Sicherheitstüren und bei der Beleuchtung. Der Schiffsbauingenieur Giorgos Margetis sagte dem griechischen Sender Skai, die Schäden könnten aber nicht gravierend gewesen sein - andernfalls wäre die "Norman Atlantic" am Auslaufen gehindert worden. Die Reederei betont, dass Schiff sei fahrtüchtig gewesen.

dpa

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