Rettungshubschrauber-Einsatz in Braunschweig

Wie der ADAC die Eintracht rettete

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Rettungshubschrauber als Riesenföhn: Mit den ADAC-Fliegern ist der Fußballplatz in Braunschweig bespielbar gemacht worden.

Hannover/Braunschweig - Auch in Niedersachsen hat der Automobilklub seine Rettungshubschrauber für fremde Zwecke genutzt: Unter anderem bei Eintracht Braunschweig, um einen nassen Fußballplatz wieder bespielbar zu machen.

Das Spiel gegen Dynamo Dresden drohte auszufallen. Die Männer vom städtischen Grünflächenamt hatten bereits die Waffen gestreckt, der Platz im Stadion von Eintracht Braunschweig war unbespielbar, einfach zu nass. Dann muss jemand die Idee gehabt haben: Reinhard Manlik, CDU-Stadtrat in Braunschweig, war damals zugleich Vorsitzender des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Und der damalige Vorsitzende des inzwischen krisengeplagten Automobilklubs konnte helfen. Am Morgen des Spitzenspiels der zweiten Fußball-Bundesliga kreiste „Christoph 30“ aus Wolfenbüttel eine Dreiviertelstunde lang über dem Spielfeld. Die Rotorblätter des ADAC-Rettungshubschraubers haben das Wasser vom Platz geblasen, ihn sozusagen trockengeföhnt. „Der ADAC hilft in der Not - wir haben das Spiel gerettet“, sagt Manlik heute. Die Eintracht gewann mit 1:0.

Die Episode ist nur ein Hinweis, dass im Regionalklub Niedersachsen/Sachsen-Anhalt die Rettungshubschrauber des ADAC nicht nur zur Rettung von Menschen in Not eingesetzt wurden. Dass Manlik über die Zentrale des ADAC in München den Hubschrauber aus Wolfenbüttel nach Braunschweig kommen ließ, ist belegt. Offen bleibt allerdings, von wem der Einsatz bezahlt wurde. Eintracht Braunschweig verwies am Dienstag auf die städtische Stadthallen GmbH, das Stadion gehört der Stadt. Die Stadthallen GmbH schwieg auf Nachfrage. Im Rathaus wollte man sich am Dienstag ebenfalls nicht äußern. Der ADAC in Laatzen erklärte sich nicht zu den Kosten. Manlik, im vergangenen Sommer überraschend als Vorsitzender des Automobilklubs zurückgetreten, beteuert: „Alles ist ordnungsgemäß abgerechnet worden.“ In Details beruft sich der Stadtrat aber auf Erinnerungslücken, das Spiel fand im Februar 2006 statt. Nach Informationen der HAZ hat der Hubschraubereinsatz 3000 Euro gekostet, die von der Stadthallen GmbH beglichen wurden.

Es gibt weitere Unregelmäßigkeiten. Manlik und ein weiteres Vorstandsmitglied haben die Rettungshubschrauber auch für Reisen zu zwei ADAC-Terminen angefordert, wie der neue Geschäftsführer Uwe Ilgenfritz-Donné am Dienstag gegenüber der HAZ erklärte: „Im Zusammenhang mit der Außendarstellung der Luftrettung - etwa bei Tagungen - steht zu Demonstrations- oder Ausstellungszwecken oftmals ein Hubschrauber aus der Reserve vor Ort.“ Der ADAC in München hat bereits eingeräumt, dass seine Funktionäre in der Zentrale Hubschrauber in den vergangenen Jahren bis zu 30-mal für Reisen benutzt haben.

Das frühere Vorstandsmitglied Johann-Michael Borchers aus Helmstedt nennt die Verwendung von Rettungshubschraubern für Dienstreisen einen Skandal: „Der Terminplan eines ADAC-Regionalfürsten ist nicht so eng, dass das erforderlich wäre.“ Manlik räumt ein, einmal in einem Rettungshelikopter zu einem Termin nach Uelzen geflogen zu sein. Laut Manlik mit an Bord: der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU). „Das war ein normaler Dienstflug“, sagte Manlik. Schünemann, aus Berlin kommend, sollte zu Beginn seiner Amtszeit in Uelzen eine Rede halten und saß im Stau fest. Man habe ihn daher an einer Autobahnraststätte aufgesammelt.

Nach Angaben von Ilgenfritz-Donné ist ein weiteres Vorstandsmitglied 2006 zu einem ADAC-Termin nach Halberstadt in Sachsen-Anhalt zum sogenannten Tag der Luftrettung geflogen. „Christoph 30“ aus Wolfenbüttel brachte den Vorstand dorthin. Weitere Flüge habe es nicht gegeben, versicherte Ilgenfritz-Donné.

Ein verschworener Zirkel

Der Regionalklub Niedersachsen/Sachen-Anhalt des ADAC mit seinen mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern ist seit dem Juni 1946 beim Handelsregister am Amtsgericht Hannover als Verein eingetragen. Die allermeisten Mitglieder schätzen den Service der Pannenhilfe, würden aber nicht auf die Idee kommen, sich aktiv am Vereinsleben zu beteiligen. Das Mitgliedermagazin, die „Motorwelt“, landet schnell im Papierkorb.

Wer sich allerdings einbringen will, hat es schwer zu erfahren, wann und wo die jährliche Mitgliederversammlung überhaupt stattfindet. Einladungen werden nicht verschickt. Der Termin wird im Kleingedruckten in der „Motorwelt“ veröffentlicht. Das ADAC-Mitglied kann auch nicht einfach so zur Mitgliederversammlung erscheinen. Wer teilnehmen möchte, muss sich Wochen vorher schriftlich anmelden. Die Tagesordnung wird selten vollständig veröffentlicht. Zu den jährlichen Mitgliederversammlungen erscheint so oft nur eine Handvoll einfacher Mitglieder.Den wahren Einfluss haben darum der Vorstand und die Delegierten aus den 135 ADAC-Ortsvereinen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Delegierten versammeln 5500 Stimmen, jedes einzelne Mitglied hat naturgemäß nur eine. Ein Antrag für die Versammlung muss vorher per Einschreiben eingesandt werden und braucht 30 weitere Unterstützer.

Noch geringer als in den 18 Regionalklubs ist der Einfluss im Münchener Mutterverein. Dort haben einfache Mitglieder bei Versammlungen gar kein Zutrittsrecht, können also auch nicht reden und nicht mit abstimmen.

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