Sexismus-Vorwurf

Adidas schießt Eigentor vor der WM

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Rio de Janeriro - Adidas hat mehrere WM-Shirts aus dem Sortiment genommen. Die T-Shirts waren mit zweideutigen Motiven und Slogans bedruckt ("Lookin' to score") – und erweckten den Vorwurf, den Sextourismus in Brasilien zu legitimieren und zu fördern.

Wüsste man natürlich ganz gern, wie die Typen bei Adidas immer auf die Ideen für ihre coolen T-Shirts kommen. In diesem Fall, als es um die Fußball-WM in Brasilien ging, könnte es ungefähr so gelaufen sein:

„Strand“, sagt der Erste, „Strand muss vorkommen.“ „Sex“, sagt der Zweite, „Sex und Brasilien, das geht immer.“ „Und bitte nicht so verklemmt“, wirft der Dritte ein. „Kann ruhig schön prollig sein. Sexistisch, dämlich, peinlich, ganz egal, passt schon, Leute.“

Herausgekommen sind dann zwei Kreationen von geradezu betörender Schlichtheit. Die erste zeigt eine Frau am Strand von Rio de Janeiro. Sie trägt einen Bikini, hat die Arme weit ausgebreitet und neben sich den Spruch „Lookin’ to score“ – was mit „Ich will ihn reinmachen“ sehr schlüpfrig, aber angemessen zweideutig übersetzt ist. Auf dem zweiten T-Shirt prangt das Bekenntnis „I love Brazil“ - das hier ergänzt wird um ein Herz in der Form eines weiblichen Pos. Fazit: Da haben die T-Shirt-Macher wirklich alle Vorgaben vollständig umgesetzt.

Den Geist Brasiliens hat Adidas mit seinen Leibchen zweifellos getroffen – allerdings nicht in dem Sinne, wie es sich das Unternehmen vorgestellt hatte. Frauenministerin Eleonora Menicucci beklagt einen „Mangel an Respekt gegenüber unserem Land“. Solche T-Shirts seien einfach „inakzeptabel“. Das brasilianische Fremdenverkehrsamt stört sich an der „Vermarktung von Produkten, die Brasiliens Image mit Sex in Verbindung bringen“. Und Pech auch für Adidas, dass Brasilien eine Präsidentin hat, die dem frauenfeindlichen Altherrenhumor des Weltkonzerns so gar nichts abgewinnen kann. Stilvol­lerweise erwähnte Dilma Rousseff das Unternehmen gar nicht, sondern twitterte lediglich: „Brasilien empfängt gerne Touristen, ist aber auch bereit, Sextourismus zu bekämpfen.“ Da wusste auch so jeder, was gemeint ist.

Adidas hat den Verkauf der T-Shirts, die nur in den USA angeboten wurden, sofort gestoppt. Den Schaden haben nun dennoch beide: Brasilien, das sein Image als Reiseziel für Sextouristen vor der WM gern abgestreift wüsste – und Adidas, das sich von dem Großereignis im Sommer den großen Gewinn verspricht. Das Unternehmen aus Herzogenaurach ist sogar offizieller Hauptsponsor der Weltmeisterschaft. Es scheint allerdings, als müssten die Männer aus Franken über das Land, in dem dieses Turnier stattfindet, dringend noch einiges lernen – und ihren Humor auf WM-Niveau bringen.

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