Nach geplatzter Versteigerung

Älteste Flaschenpost bleibt im Museum

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Foto: Die Flaschenpost - eine braune Bierflasche mit einer dänischen Postkarte aus dem Jahr 1913 darin - war Fischer im März in der Kieler Förde ins Netz gegangen.

Kiel/Hamburg - Um die wohl älteste Flaschenpost der Welt gab es mächtiges Gezerre. Doch zu guter Letzt sind alle zufrieden: ein Fischer namens Fischer, eine Enkelin aus Berlin und ein Kurator aus Hamburg.

Die wohl älteste Flaschenpost der Welt aus der Kieler Förde bleibt der Öffentlichkeit erhalten. Ein Förderer des Internationalen Maritimen Museums (IMMH) in Hamburg hat dem Finder Konrad Fischer die 101 Jahre alte Flasche abgekauft und sie dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Damit ist das Gezerre um den Fund beendet, den der Berufsfischer aus Heikendorf bei Kiel im März gemacht hatte.

„Ich bin total begeistert“, sagte die Enkelin des Absenders Angela Erdmann aus Berlin, am Mittwoch der dpa. „Ich bin ganz einverstanden, so wie es ist. Weil die Flaschenpost von unserem Opa jetzt für immer in dem Museum bleibt“, sagte die 62-Jährige. Am Wochenende hatte sie noch versucht, die von Fischer initiierte Versteigerung des Fundstücks auf der Internetplattform Ebay zu stoppen. Sie wollte, dass der Fund im Museum für die Nachwelt erhalten bleibt.

Fischer dagegen wollte die Flasche samt Inhalt zu Geld machen. „Behalten will ich sie nicht und mein Fischkutter muss dringend repariert waren“, sagte er zur Begründung der Versteigerung. Die „Kieler Nachrichten“ hatten am Mittwoch von dem Verkauf berichtet.

Die Flaschenpost - eine braune Bierflasche mit einer dänischen Postkarte aus dem Jahr 1913 darin - war Fischer im März in der Kieler Förde ins Netz gegangen. Mit einem Draht, so erinnerte er sich, habe er die zusammengerollte Postkarte aus der Flasche geangelt. Darauf bat der Absender einen möglichen Finder, die Karte an ihn zurückzuschicken. Im April gelangte die Karte schließlich an die Enkelin des Absenders. Ein Ahnenforscher hatte sie in Berlin ausfindig gemacht. Es sei ein bewegender Moment gewesen, als sie die Nachricht ihres lange vor ihrer Geburt gestorbenen Großvaters erstmals in den Händen gehalten habe, erinnerte sich Erdmann.

„Wir haben von der Auktion nichts gewusst und waren ziemlich sauer, als wir davon erfahren haben“, sagte der Kurator des IMMH, Holger von Neuhoff, am Mittwoch. „Fischer hätte doch sagen können, dass er Geld braucht. Wir selbst hatten zwar keine Möglichkeit zum Ankauf. Aber wir hätten dann versucht, einen Förderer zu finden, der das Stück für uns erwirbt“, sagte er.

Die Wende zum Guten kam am Montag. „Während die Versteigerung noch lief, meldete sich ein Hamburger, dem das Museum und die Seefahrt sehr am Herzen liegen und bot an, die Flaschenpost für uns zu erwerben“, schilderte von Neuhoff die dramatischen Ereignisse. Als die Auktion wenige Minuten vor dem Ende aus formalen Gründen abgebrochen wurde, nahm der Kurator Kontakt zu dem Förderer auf, der anonym bleiben will. Gemeinsam fuhren beide nach Kiel, boten Fischer eine vierstellige Summe und er akzeptierte.

Jetzt sind alle Beteiligten zufrieden. Erdmann freut sich, dass dass das Andenken an ihren Großvater, das bislang schon im Hamburger Museum zu sehen ist, weiter öffentlich zugänglich bleibt. Fischer kann seinen Kutter reparieren lassen. Das Museum und seine Besucher freuen sich über die wohl älteste Flaschenpost. „Schon jetzt ist die Vitrine mit der Flaschenpost immer dicht umlagert“, sagte von Neuhoff.

dpa

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