Trendgetränk in der Kritik

Ärzte warnen vor Bubble Tea

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Foto: Das neue Trend-Getränk aus Asien: Bubble-Tea. Hier in den Geschmacksrichtungen Karamell, Mango-Milk und Kokosnuss-Joghurt.

Lübeck - Wenn die Geleekapseln aus dem Bubble Tea in die Lunge von Kleinkindern geraten, droht Lebensgefahr. Politiker fordern Warnschilder in der Gastronomie.

Bunt, begehrt und gefährlich: Mediziner, Krankenkassen und Verbraucherschützer im Norden laufen Sturm gegen das Modegetränk Bubble Tea. Der mit kleinen Geleekugeln versetzte Tee ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Neben dem extrem hohen Kalorien- und Zuckergehalt warnen Ärzte nun sogar vor einer möglichen Lebensgefahr. „Kleinkinder können die Kügelchen leicht verschlucken. Geraten diese in die Lunge, droht eine Lungenentzündung, schlimmstenfalls sogar ein Lungenkollaps“, sagt Prof. Matthias Kopp, Leiter der Kinder-Pneumologie der Lübecker Uni-Klinik.

Für den Experten ist Bubble Tea alles andere als ein harmloses Spaßgetränk. „Es gehört unter keinen Umständen in die Hände kleiner Kinder“, mahnt Kopp und spricht von einer „erheblichen Gefahr“. Unter hohem Sog würden die flüssig gefüllten Geleekapseln durch einen übergroßen Strohhalm angesaugt. Vor allem bei jungen Menschen sei die Gefahr groß, dass sie sich verschlucken und die nur fünf bis acht Millimeter großen und klebrigen „Bubbles“ über die Luftröhre in die Lunge geraten.

„Anders als im Magen lösen sich die Kügelchen dort nicht auf - es droht eine sogenannte Aspiration“, sagt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Bundesverbandes deutscher Kinder- und Jugendärzte. Von einer hypothetischen Gefahr könne keine Rede sein. Erste Notfälle, bei denen „Bubbles“ bei Kleinkindern unter Narkose entfernt werden mussten, habe es bereits gegeben. „Hier muss an die Vernunft der Eltern appelliert werden“, so Hartmann.

Die Mediziner sind mit ihrer Kritik nicht allein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bestätigt auf Nachfrage, noch in dieser Woche eine Stellungnahme mit einer Warnung veröffentlichen zu wollen. Einigen Gesundheitsexperten von SPD und Grünen geht das nicht weit genug. Sie fordern Warnhinweise auf Verpackungen und in Verkaufsshops. „Hier besteht akuter Handlungsbedarf. Auf das Gesundheitsrisiko für Kinder muss klipp und klar aufmerksam gemacht werden“, sagt Bernd Heinemann von der SPD-Fraktion im Kieler Landtag. Nun seien Verbraucherschutz- und Gesundheitsministerien gefordert.

Kommende Woche soll das Thema sogar das Kabinett in Schleswig-Holstein beschäftigen. Die Lübecker Bürgerschaftsfraktion der Freien Wähler hat derweil einen Antrag an die Stadtverwaltung formuliert, die Bubble-Tea-Shops in der Hansestadt zum Aufhängen von Hinweisschildern zu verpflichten. „Die Stadt München hat dies bereits erfolgreich umgesetzt. Wir sehen vor allem die Kommune in der Pflicht, aktiv zu werden – bevor ein Kind ums Leben kommt“, so Fraktionsgeschäftsführer Gregor Voht.

Bastian Modrow

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