Neues Niedersachsen-Buch

Aha-Erlebnisse an vielen Orten

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Der Autor und sein Leser: Ekkehard Böhm (r.) und Stephan Weil mit Buch.

Hannover - Das macht Spaß beim blättern und lesen: Der frühere Kultur-Redakteur der HAZ und Historiker Ekkehard Böhm hat eine plastische Geschichte Niedersachsens verfasst. Ministerpräsident Stefan Weil hat es am Dienstag vorgestellt.

Es gibt wenige Bücher, in denen das hannoversche Universalgenie Gottfried Wilhelm Leibniz und die „Scorpions“ gemeinsam vorkommen. Oder in dem die aktuellen Rivalitäten von Fußballfans von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 als mögliche Spätfolge eines Familienzwistes innerhalb der Welfen gedeutet werden. Ekkehard Böhm, Journalist und Historiker, hat es in einem neuen Niedersachsen-Buch getan, das gestern Ministerpräsident Stephan Weil vorstellte. „Dass sich Niedersachsen nicht über einen Kamm scheren lässt, sondern geprägt ist von seiner Vielfalt - wer das nicht versteht, wird Niedersachsen nie verstehen“, meinte Weil.

Wer Böhms Buch gelesen hat, wird diesen Satz Weils verstehen. Und Niedersachsen. Denn Böhm, der lange Jahre Kulturredakteur der HAZ war, geht als Journalist an die Sache, obwohl er Historiker ist. Das heißt: Er schreibt einfach, lesbar, verzichtet auf Randbemerkungen. Er beschreibt erst einmal das, was er sieht, bevor er erklärt, wie es dazu kam. Auf 232 Seiten entfaltet er ein buntes (reichlich bebildertes) Niedersachsen-Panoptikum, das Spaß beim Blättern und beim Lesen macht. Und dass dem Journalisten Böhm noch eine historische Kommission bei der Texterfassung auf die Tastatur geschaut hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass alles stimmt. Böhm fängt bewusst nicht bei Adam und Eva an (also nicht bei den „Schöninger Speeren“ und dem „Homo erectus“, der vor gut 300 000 Jahren diese Speere in die damals noch nicht niedersächsische Landschaft schleuderte), sondern bei interessanten Orten und Regionen dieses nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengefügten Landes. Natürlich kommen die Hannoveraner vor, die Braunschweiger, die Schaumburger, aber auch die „Bauernrepubliken“ in den Marschregionen im hohen Norden, die bis zur Erfindung des Kunstdüngers anderen Regionen wirtschaftlich weit überlegen waren. Das Buch lässt die Leser an Aha-Erlebnissen in Stade teilnehmen, das lange unter schwedischer Herrschaft stand. Dazwischen sind immer wieder Porträts eingewebt - von Männern und Frauen, die dieses Niedersachsen entstehen ließen.

Wenn man Böhms Buch zur Seite legt, wird man nicht das Niedersachsenlied trällern, höchstens die erste Strophe. Böhm erinnert daran, warum man es lassen sollte - unaufgeregt und informativ. Selbst der aktuelle Streit um die umstrittene Geschichte des ersten Landesvaters Hinrich Wilhelm Kopf findet Erwähnung, wenn auch knapp. Dem 19. Jahrhundert und der (heute fast unfassbaren) Expansion der Städte widmet Böhm längere Passagen, wie auch dem 20. Jahrhundert mit seinen Grausamkeiten.

Niedersachsen - Pferde, Stärken und Meer. Das Land und seine Geschichte. 232 S. Edition Temmen. 14,90 Euro

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