Augenzeugen im HAZ.de-Interview

„Alle schrien: Bombe, Bombe" – dann brach das Chaos aus

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Foto: Auch mehrere Läufer aus Hannover entgingen dem Bombenattentat nur knapp.

Hannover - Unter den Teilnehmern des Boston-Marathons sind auch fünf Sportler aus Hannover sowie weitere Läufer aus Niedersachsen. Zwei Augenzeugen aus Neustadt am Rübenberge und Wolfsburg erzählen im Telefoninterview mit HAZ.de, wie sie die Bombenanschläge erlebt haben.

Nach 3 Stunden und 40 Minuten überquerte Michael Feustel die Ziellinie. Seine Frau hatte dort im Publikum auf ihn gewartet, erzählt der Läufer aus Neustadt am Rübenberge im Telefoninterview mit HAZ.de – und ganz in der Nähe ereignete sich die erste Explosion. "Die erste Bombe ist etwa 45 Minuten nach meinem Zieleinlauf explodiert", sagt der Marathonläufer. "Das war einfach nur Glück. Es hätte auch mich oder meine Frau treffen können."

"Von den Explosionen selbst haben wir nichts mitbekommen. Wir waren da gerade auf dem Weg zur U-Bahn", sagt der 56-Jährige. Zu dieser Zeit sei er zwar nur geschätzt 250 Meter Luftlinie vom Ort des Geschehens entfernt gewesen, doch dazwischen habe sich ein Häuserkarree befunden. Von den Anschlägen habe er dann bei einem Zwischenstopp auf dem Rückweg ins Hotel erfahren. "Ich habe es in einem Café gehört und mir gedacht: Das kann nicht sein".Explosionen bei Boston-Marathon

„Manche gingen am Boden in Deckung, andere rannten los" Auch ein Wolfsburger erlebte den blutigen Anschlag hautnah. Läufer Herbert Groenke hatte gerade die Ziellinie passiert, als die Explosion erfolgte. „Alle schrien: Bombe, Bombe", sagt der 62-Jährige – dann brach das Chaos los. Was passiert war, konnte Groenke nur ahnen.

„Manche gingen am Boden in Deckung, andere rannten los. Sofort rissen Soldaten die Absperrgitter nieder, um Fluchtwege zu schaffen. Nicht jeder schaffte es unversehrt in Sicherheit. Groenke: „Direkt neben mit blutete ein Polizist stark, er war offenbar schlimm verletzt" – das Opfer wurde sofort in ein Sanitätszelt geschafft.

Herbert Groenke kannte nur ein Ziel: Raus. Seine Frau, die am Ziel auf ihn gewartet hatte, verlor er aus den Augen, erst eine Stunde später sah man sich im Hotel wieder: „Wir sind uns nur noch in die Arme gefallen."Zahlreiche weitere Marathonläufer hatten weniger Glück als die beiden Niedersachsen. Bei dem Attentat sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, mehr als 140 wurden zum Teil schwer verletzt. Nahe der Ziellinie detonierten am späten Montagabend deutscher Zeit fast zeitgleich zwei Sprengsätze.

r.

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