Lebenshilfe von Prominenten

Alles wird gut

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Foto: Alles wird gut: Schauspielerin Gwyneth Paltrow mit ihrem Ratgeber „It’s All Good“ für ein gutes Leben.

Hannover - „Ich schreibe, also bin ich“: In den USA geben Prominente in schlauen Ratgebern Tipps fürs Leben – und verdienen damit sehr viel Geld. Doch auch in Deutschland wollen sich viele Stars mit Büchern zur Lebenshilfe noch etwas dazu verdienen.

Ein bisschen Glamour gefällig? Kein Problem. Dank Gwyneth Paltrows Internetseite „Goop“ können sich auch ganz normale Frauen mit Hollywoodglitzer umgeben. Im Angebot: Modetipps wie der 450 Dollar teure, schlicht schwarze Daunenmantel von Lolë oder eine Jaquardjacke aus der Helmut-Lang-Kollektion für 1195 Dollar. Außerdem gibt es Rezepte von Kürbisravioli bis zum „Brandy Alexander“ und für das gute Gewissen auch eine Geschichte über ein ambitioniertes Schulgartenprojekt. Mit „Goop“ hat sich die Schauspielerin Paltrow ein kleines Imperium geschaffen. Dazu vermarktet Paltrow Kochbücher und Stadtführer-Apps für das Handy. Experten vermuten, dass ihr Blog, für das sie keine Zahlen veröffentlicht, großen Umsatz macht – und das, obwohl sie von vielen als spießig kritisiert wird.

Lebenstipps von Promis sind eine Goldgrube. Gwyneth Paltrow hat zahlreiche Kollegen, die sich gewinnbringend als Marke inszenieren. Die Schauspielerinnen Elizabeth Banks, Zooey Deschanel und Lindsay Lohan, TV-Sternchen Olivia Palermo sowie Katherine Schwarzenegger, Tochter des Schauspielers Arnold Schwarzenegger, haben alle ebenfalls Lebenshilfewebseiten gestartet.

Allerdings lässt die Qualität der Angebote in vielen Fällen ebenso zu wünschen übrig wie der Bekanntheitsgrad der Autoren. Denn meist sind es Frauen, die sich damit ein Extrageld verdienen. Die 39-jährige Elizabeth Banks gibt sich auf ihrer sehr persönlich geprägten Seite „elizabethbanks.com“ vor allem volksnah und berichtet von ihrer Arbeit, dem Muttersein und lustigen Erlebnissen. Sie sei eben vom Land, erklärt der Hollywoodstar: „Ich schreibe nicht alles auf, was passiert, aber es wird dort nichts eingestellt, das ich nicht geprüft habe.“

Ihre Kollegin Liv Tyler vermarktet derweil ihre Erziehung als Buch. Schon als Mädchen ging Tyler oft mit ihrer Oma ins Museum, ins Konzert oder in ein schickes Kaufhaus. Danach gab es ein Stück Karottenkuchen in einem noblen Kaffeehaus in New York. „Wie jedes andere siebenjährige Kind hatte ich es natürlich auf die Belohnung abgesehen, dieses köstliche Stück Karottenkuchen“, schreibt die heute 36-jährige Schauspielerin. „Aber in den Momenten, bevor der Kuchen kam, hat meine Oma es geschafft, mir alles über Tischmanieren beizubringen.“

Oma Dorothea Johnson, die Mutter von Tylers Mutter, ist in den USA eine renommierte Expertin für Manieren. Gemeinsam haben Oma und Enkelin ein Buch geschrieben: „Modern Manners. Tools to Take You to the Top“ (auf Deutsch etwa: Moderne Manieren. Hilfsmittel, die dich an die Spitze bringen). Darin raten sie unter anderem davon ab, zu viel auf Facebook zu veröffentlichen („Nicht mehr als einen Eintrag am Tag“). Überraschend neu sind ihre Tipps nicht gerade, trotzdem verkauft sich das rund 20 Dollar (etwa 15 Euro) teure Buch bestens.

Experten glauben fest an das Business-Modell der Starwebseiten und -bücher. „Die Promis merken, dass es viele Menschen da draußen gibt, die wissen wollen, was sie essen, welche Kleidung sie tragen und welche Bands sie am liebsten hören“, sagte die Marketing-Expertin Dana Randall der „New York Times“. „Und das sind natürlich alles wundervolle Möglichkeiten für gute Geschäfte.“

„Ich schreibe, also bin ich“ – diesem Credo folgend haben auch zahlreiche deutsche Schauspieler, Sänger und Moderatoren Ratgeber veröffentlicht. Der Trend begann in den späten Neunzigern mit den Biografien von Dieter Bohlen – und glaubt man den Verkaufszahlen, versuchen seitdem zahlreiche Deutsche, sich von Promis für ihr Durchschnittsleben inspirieren zu lassen. Ratgeber zu Themen wie Sport, Kochen und beruflichem Erfolg sind mittlerweile besonders beliebt. An Letzterem haben sich unter anderem Oliver Kahn („Ich. Erfolg kommt von innen“), Heidi Klum („Natürlich erfolgreich“) oder Dieter Bohlen („Planieren statt sanieren“) versucht. Auf Yoga und Pilates konzentrieren sich Barbara Becker, Christiane Neubauer, Ursula Karven und Susanne Fröhlich.

„Wir setzen mit unseren allgemeinen Ratgebern mehr um als mit den Promi-Büchern“, sagt etwa Claudia Uhr vom Verlag Gräfe und Unzer (GU), der auf Ratgeber spezialisiert ist. Der Erfolg eines Prominenten garantiert aber natürlich noch lange nicht für dessen Bücher: „Das Buchthema muss zum Autor passen, eine Identifikation mit ihm ermöglichen“, meint die Expertin. „Boris Becker zum Beispiel hat ein Buch über Kindererziehung geschrieben, das ist gefloppt – weil ihm keiner abgenommen hat, dass er von dem Thema Ahnung hat.“

Gräfe und Unzer setzt deshalb auf Prominente, die über Themen schreiben, mit denen sie sich auskennen. Der Verlag hat deshalb Kochbücher von Sarah Wiener und Johann Lafer im Programm. Denn ein Promi-Name auf dem Cover kann auch riskant sein, getreu der Regel: Wenn jemand seinen Ruf verloren hat, hat auch sein Buch keine Chance. „Wir hatten mal ein Kochbuch mit Ursula Karven im Programm, das war kein Erfolg“, sagt Uhr. Ganz offenbar glauben die Leser, dass Ursula Karven eine Expertin in Yoga ist. Dass sie auch noch kochen kann, wohl aber nicht.

Von Sabrina Mazzola und Nicola Zellmer (mit: dpa)

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