Eine Frage der Würde

Alte Menschen werden seltener im Heim fixiert

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Foto: Obwohl die Zahl alter und dementer Menschen steige, genehmigten die Gerichte weniger Fixierungen als früher.

Hannover - Heime und Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen sind zunehmend bemüht, auf das Fixieren sturzgefährdeter Bewohner in Betten oder Rollstühlen zu verzichten. Es habe ein Umdenken eingesetzt, sagte die Leiterin der Betreuungsabteilung am Amtsgericht Hannover, Annette Loer, am Dienstag.

Die Sicherheit der Bewohner werde stärker gegen Freiheit und Würde abgewogen. Obwohl die Zahl alter und dementer Menschen steige, genehmigten die Gerichte weniger Fixierungen als früher. Für das Fixieren von Heimbewohnern ist stets eine richterliche Genehmigung des Amtsgerichts erforderlich, in Notlagen kann das Pflegepersonal aber zunächst auch alleine entscheiden.

Bis vor einigen Jahren hätten Betreuungsrichter sich mit einem Attest des Arztes begnügt, um freiheitseinschränkende Fixierungen zu genehmigen, sagte die Leiterin der Betreuungsabteilung am Amtsgericht. „Das sehen wir jetzt anders.“ Mit den Heimen würden vor Ort die Belange der Bewohner abgewogen. Alternativen könnten Niederflurbetten zur Vermeidung gefährlicher Stürze oder das Beschaffen von Laufgestellen für Menschen mit einem gefährlichen Bewegungsdrang sein. Den Heimen werde klar gemacht, dass sie nicht für jeden Sturz in Haftung genommen werden. „Das Ziel ist nicht „sicher, satt und sauber.“

Wie der Altenpflegereferent des Diakonischen Werks in Niedersachsen, Christoph Brauner, erklärte, bemühten sich die kommunalen Heimaufsichtsbehörden um eine andere Praxis in den Heimen. Auch die regelmäßigen Qualitätsüberprüfungen der Heime hätten zu einem sensibleren Umgang mit Fixierungen geführt.

dpa

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