Feier im Harz

Alte Mythen und junge Klischees: Hexerei zur Walpurgisnacht

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An mehr als 20 Orten im Harz wird zur Walpurgisnacht mit bunten Bühnenshows und lauter Musik gefeiert.

Thale - Bucklige Hexen und heiße Feger: Jedes Jahr feiern unzählige Gestalten in ausgefallenen Kostümen im Harz und andernorts die Walpurgisnacht. Mit einem Blick über den Hexenkesselrand hinaus räumt ein Ethnologe aus Halle mit zahlreichen Klischees auf.

Eine Hakennase mit dicker Warze, ein zerfledderter Besen und ein ausgefranstes Kleid: Das Bild der Hexe strotzt nur so vor Klischees. Fremdenführerin Martina Spier erfüllt diese gern. „Früher haben wir viel Geschichtliches erzählt. Aber die Menschen wollen lieber würzige Hexensprüche“, sagte die Mitarbeiterin der Tourist-Information Thale im Harz. Die frech-frivolen Streifzüge durch das Bodetal sind besonders um die Walpurgisnacht gefragt. Dann feiern unzählige Menschen in schrillen Kostümen in den ersten Mai. Mit den klischeehaften Vorstellungen räumt ein Ethnologe aus Halle indes auf - allen voran damit, dass nur Frauen Hexen gewesen sein sollen.

In den Köpfen der Menschen werde die Hexerei mit dem Mittelalter verknüpft. „Es gibt aber schriftliche Quellen, die belegen, dass seit der Antike an dunkle Mächte geglaubt wird“, erklärte Hauschild. Diese Fantasie verstärkte sich bis zum Aufbruch der Moderne. Heute seien hingegen nur wenige davon überzeugt, dass es Hexen gibt - obwohl Bücher wie „Harry Potter“ und „Bibi Blocksberg“ von Millionen verschlungen werden.

„Heute gibt es aber „neue Hexen““, sagte Hauschild. Das seien Menschen, die spezielle Lebensberatungen anbieten oder Kurse in Kräuter- und Naturkunde geben. Auch die als Mobbing bekanntgewordene moderne Art der Schikane am Arbeitsplatz oder in der Schule nehme Motive auf, die einst bei Praktiken der Behexung eine Rolle gespielt haben. „Dazu gehören zum Beispiel die abschätzigen Blicke“, sagte Hauschild.

Dass bei den humorigen Führungen im Harz ausgerechnet eine verkleidete Frau die bis zu 30 Mann starken Gruppen an Hexentanzplatz und Sagenorten vorbeiführt, verwundert kaum. „Frauen galten als das schwache Geschlecht und somit als anfällig für den Pakt mit dem Teufel“, sagte der Ethnologe. Aber: „Auch Männer und Tiere wurden der Hexerei angeklagt.“ Daher rühre möglicherweise auch das Klischee von der schwarzen Katze als Schutzgeist auf der Schulter der knorrigen Weiber.

Die „Hexen-Führerin“ Spier trägt statt einer Katze lieber einen Besen bei sich. „Auf den müssen die Männer drauf“, sagte sie. Dabei zitiere sie manchmal Verse aus Goethes Werk. Denn der Dichter werde oft mit der schwarzen Magie und Hexerei in Verbindung gebracht. „Den Mythos um den Brocken, als Platz für die Hexenversammlungen, hat Goethe zur Anregung für seinen „Faust“ genommen“, erklärte Hauschild. Damit verstärkten sich die Sagen um den Berg.

Heute sind die Zusammenkünfte eher kommerzieller Natur. An mehr als 20 Orten im Harz wird zur Walpurgisnacht mit bunten Bühnenshows und lauter Musik gefeiert, sagte die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Eva-Christin Ronkainen, in Goslar. In diesen Hexenkesseln - vom niedersächsischen Braunlage bis nach Schierke in Sachsen-Anhalt - tanzen dann bärtige Zauberer, kleine Teufel und verführerische Hexen.

dpa

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