Essen

Alter Bergbaustollen sorgt für Bahn-Chaos

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Foto: Nur mit Schrittgeschwindigkeit passiert ein Zug den Bahnhof Essen.

Essen - Hohlräume im Altbergbau nahe des Essener Hauptbahnhofs haben den Fahrplan aus dem Takt gebracht. An den Bahnhöfen Mülheim, Essen und Bochum halten bis voraussichtlich Freitag keine IC- und ICE-Linien. Die Züge der Strecke Frankfurt-Köln-Essen-Hannover werden in beiden Richtungen umgeleitet.

Ein einsturzgefährdeter Bergbaustollen hat am Donnerstag den Zugverkehr im Ruhrgebiet durcheinandergewirbelt. Experten hatten am Mittwoch Hohlräume aus dem Altbergbau nahe des Essener Hauptbahnhofs festgestellt. Hunderte Züge und Tausende Reisende waren im morgendlichen Berufsverkehr betroffen. Die Deutsche Bahn meldete Zugausfälle, Verspätungen und Umleitungen.

Begonnen hatten die Störungen bereits am Mittwochabend, als die unterirdischen Hohlräume in 16 Metern Tiefe bei Untersuchungen eines Baugrundstücks entdeckt worden waren. Um Risiken durch Bodenbewegungen ausschließen zu können, wurde der Bahnverkehr auf der vielbefahrenen Strecke vorsichtshalber eingeschränkt. Die Hauptbahnhöfe in Essen, Bochum und Mülheim waren komplett vom Fernverkehr abgeschnitten. Der Fernverkehr wurde umgeleitet.

Schrittgeschwindigkeit am Essener Bahnhof

Überregional sei es aber kaum zu Behinderungen gekommen, sagte der Sprecher. Die meisten Züge im Regional- und Nahverkehr fuhren, mussten aber westlich des Essener Hauptbahnhofs über eine Strecke von rund 500 Metern Schrittgeschwindigkeit fahren.

Die Bergbaubehörden haben bereits begonnen, die Hohlräume mit Beton zu verfüllen. Dies werde mindestens 24 Stunden in Anspruch nehmen, sagte Andreas Nörthen, Sprecher der Bergbauabteilung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Derzeit würden außerdem Bohrungen durchgeführt, die Aufschluss darüber geben sollen, wie genau es unter der Oberfläche aussieht. "Solange wir das nicht genau wissen, ist der Zugverkehr vorsichtshalber eingeschränkt", sagte Nörthen.

Beeinträchtigungen bis Freitag

Erste Ergebnisse sollen am Freitag vorliegen. Entsprechend kündigte die Bahn an, dass es im Großraum Essen voraussichtlich bis Freitag zu Beeinträchtigungen für Bahnreisende kommen wird.

Der gefährdete Bergbaustollen verläuft in der Nähe des Hauptbahnhofs im Bereich der viel befahrenen Gleise zwischen Essen und Mülheim. Bei Untersuchungen eines Baugrundstücks war der Eigentümer der Fläche auf Hohlräume unter der Erde gestoßen. Dass in der Nähe der Gleise ein alter Stollen verläuft, sei bekannt gewesen, sagte Nörthen, nicht jedoch, dass Hohlräume bis mindestens an die Gleise reichen.

Die Bergbaubehörden gehen davon aus, dass dort in der Vergangenheit illegal Kohle abgebaut wurde, weshalb der abgebaute Flöz nicht in den Grubenkarten dokumentiert sei. Die Bahn war am Mittwoch von der Bezirksregierung Arnsberg über die Probleme mit dem Alt-Bergbaustollen informiert worden. Gegen 18.25 Uhr ordnete sie darauf die Schrittgeschwindigkeit an und leitete den Fernverkehr um.

dpa

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