Niederdeutsch-Konferenz

Amis snacken Platt in Aurich

Aurich - Sie leben in den USA, aber sprechen platt wie ihre ostfriesischen Vorfahren - rund 40 Amerikaner nehmen seit Donnerstagabend an einer Plattdeutsch-Konferenz in Aurich teil. Erstmals findet das Treffen in Niedersachsen statt.

Sie kommen aus Illinois, Wisconsin oder Iowa, aber sie sprechen wie die Ostfriesen. Seit gestern Abend sind rund 40 US-Amerikaner in Aurich, um die Sprache ihrer Vorfahren zu pflegen. Sie nehmen dort an der 17. Düütsch-Amerikaanschen Plattdüütschkonferenz teil. Erstmals findet das Treffen in Niedersachsen statt. Bislang waren die Nordamerikaner immer ins nordfriesische Schleswig-Holstein gefahren. Alle zwei Jahre hatte man sich getroffen, im Wechsel in den USA und in Deutschland. Helmut Collmann hat die Konferenz, an der sich insgesamt 160 Plattdeutschfans beteiligen, jetzt nach Ostfriesland geholt. „Platt ist nicht out“, sagt der Präsident der Ostfriesischen Landschaft. Allerdings werde die Zahl derer, die das Niederdeutsch aktiv sprechen könnten, immer kleiner.

Nach einer Studie des Heimatbundes können nur noch 14 Prozent der Niedersachsen gut oder sehr gut Platt beziehungsweise Saterfriesisch sprechen - im Dreieck zwischen Leer, Cloppenburg und Oldenburg. In Schleswig-Holstein kann dies immerhin noch ein Viertel der Bevölkerung. Collmann ist stolz darauf, dass in einem Drittel der ostfriesischen Kindergärten mit den Drei- bis Sechsjährigen auch Platt gesprochen wird. „Noch besser wäre, wenn wir auch die restlichen zwei Drittel erreichten“, sagt Collmann. In zwei Auricher Grundschulen wird sogar 40 Prozent des Unterrichts auf Platt erteilt. Auch bei den Eltern der neuen Erstklässler sei das Angebot sehr gut angekommen. In der Europäischen Sprachencharta werde der Schutz und Erhalt der Minderheitensprachen ausdrücklich gefordert, sagt Collmann.

Zweisprachig ist auch die Plattdeutschkonferenz, die gestern in Aurich begonnen hat. „Wir sprechen auch Englisch“, sagt Collmann. Nicht alle Amerikaner, die das Niederdeutsche verstünden, könnten es selbst sprechen. Manche Vorfahren der Ostfriesen hätten Deutschland schließlich schon vor 150 Jahren verlassen, und im Zweiten Weltkrieg sei das deutsche Erbe in den USA verpönt gewesen, berichtet Collmann. Drei Tage lang geht es bis zum Sonntag in Aurich in Vorträgen, Theaterstücken und Workshops ums Niederdeutsche.

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