Zeichen der Gleichberechtigung

Das Ampelmädchen kommt

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Quotenfrau am Überweg: Die Dortmunder haben dafür wenig Verständnis.

Dortmund - Dortmunder Politiker wollen als Symbol der Gleichberechtigung beim Überqueren der Straße ein Ampelmädchen leuchten lassen. Doch die Dortmunder selbst haben für die neue Ampelquote wenig Verständnis - und reagieren mit beißendem Spott.

Sie trägt einen wehenden Zopf, einen flatternden Rock und erstrahlt mal in leuchtendem Grün, mal in strahlendem Rot: die Ampelfrau. In der Dortmunder Innenstadt soll das weibliche Pendant zum Ampelmännchen künftig als fröhliches und sichtbares Zeichen der Gleichberechtigung auf jeder zweiten Fußgängerampel leuchten - in Anlehnung an die natürliche Geschlechterverteilung auch im Ruhrpott. Die Stadtverwaltung prüft einen entsprechenden Antrag der rot-grünen Mehrheit in der Bezirksvertretung Innenstadt-West. Nur die Dortmunder haben für die neue Ampelquote wenig Verständnis - und reagieren mit beißendem Spott.

„Ist das euer Ernst? Habt ihr keine anderen Sorgen?“, lautete noch einer der harmloseren Vorwürfe in den sogenannten sozialen Medien. Die Junge Union ätzt über „unsinnige, rot-grüne Weltverbesserungsträumereien“, andere beklagen die Kosten. Für die Dortmunder Ampelkoalition aus SPD und Grünen kam die Kritik überraschend. „Durch die Gleichstellung von Frau und Mann ist eine teilweise Umrüstung von regulären Ampelmännchen zu Ampelfrauen folgerichtig“, hieß es in dem Beschluss der Bezirksvertretung nüchtern.

Was meinen Sie? Braucht das Ampelmännchen ein weibliches Pendant als Zeichen der Gleichberechtigung? Ja, Städte wie Zwickau, Kassel und Köln machen es vor. Nein, ich komme auch so gut über die Straße. Das Geld sollte lieber in echte Hilfe für Gleichberechtigung fließen. // set a new cookie with expiry ten minutes function setPollCookie() { expiry = new Date(); expiry.setTime(expiry.getTime()+(10*60*1000)); document.cookie = "LastURIPoll=;path=/;expires=" + expiry.toGMTString(); }

Tatsächlich waren die Ampeln eine Idee der Grünen. Der SPD ist die Sache unangenehm. Der Zeitpunkt sei „etwas ungünstig gewählt für ein solches Thema“ sagte der Vorsitzende des SPD-Stadtbezirks, Kai Neuschäfer, der „Welt“. „Wir erwarten 40 neue Flüchtlinge, die wir unterbringen müssen. Außerdem müssen wir uns mit der möglichen Schließung eines Schwimmbades befassen.“

Dabei ist die Idee mit der Ampelfrau nicht neu: In der sächsischen Stadt Zwickau gibt es sie bereits seit 2004. Unter anderem Dresden, Erfurt, Magdeburg, Kassel und Köln haben mittlerweile nachgezogen - allerdings alle ohne eine 50-Prozent-Quote. Den Vorwurf der Geldverschwendung könnten die Dortmunder Kommunalpolitiker übrigens leicht entkräften. Denn der Plan sieht vor, „weibliche“ Ampeln nur zu installieren, wenn Ampelmännchen defekt sind. Bisher ist das in der Debatte kaum durchgedrungen. Gut möglich also, dass es den Kritikern gar nicht ums Geld geht. Sondern ums Prinzip.

Von Mathias Pöls

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