"Größte Tierreisewelle aller Zeiten"

Amphibien wandern wieder

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Der Frühling lockt Kröten und andere Amphibien aus ihren Winterquartieren.

Hannover - Der harte Winter ist schuld: Alle Frösche und Kröten sind derzeit gleichzeitig auf Wanderschaft. Naturschützer sprechen von der größten Tierreisewelle aller Zeiten.

Bevor Kröten und Frösche zum nächsten Sprung ansetzen, halten sie kurz inne und bündeln ihre Kräfte. Mit ihren langen Hinterbeinen stoßen sie sich anschließend druckvoll vom Boden ab, durchwirbeln für Sekundenbruchteile die Luft und landen schließlich wieder sicher auf dem harten Untergrund. Kaum ist der hartnäckige Winter angenehmen Frühlingstemperaturen gewichen, setzt eine der größten alljährlichen Reisewellen der Tierwelt ein. Überall in Niedersachsen haben sich die Amphibien auf Wanderschaft begeben, und ziehen von den Winterquartieren zu ihren Laichplätzen.

Ziel ihrer Reise sind die Gewässer, aus denen sie einst selbst geschlüpft sind. „In diesem Jahr sind die Tiere spät dran, die Witterung hat alle auf einmal auf Wanderschaft gebracht“, erklärt Ulrich Thüre vom Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen Normalerweise starten die Amphibien zeitversetzt, durch den langen Winter haben sich nun aber alle gemeinsam auf den Weg gemacht. So viele Tiere, die gleichzeitig ihre Reise antreten, habe es seit Beginn der Aufzeichnungen zur Amphibienwanderung in Niedersachsen noch nicht gegeben, berichtet der Naturschutzbund.

Jedes Jahr im Frühjahr treibt die feucht-milde Witterung Kröten, Frösche und Lurche zurück an ihren Geburtsort. Hier legen sie ihre Eier. „Die Wanderung zu ihrem Ursprung ist genetisch veranlagt“, erklärt Thüre. Auf die Population der Amphibien scheint der kalte Winter kaum Einfluss gehabt zu haben. Lediglich bei den Erdkröten wurde in diversen Regionen ein Mangel an Weibchen beobachtet. „Es kommt vor, dass mehrere Männchen ein Weibchen belagern“, sagt Thüre.

Um die Amphibien bei ihrer Wanderung zu schützen sind ehrenamtliche Nabu-Mitglieder derzeit im Einsatz, um Schutzzäune an viel befahrenen Straßen aufzustellen, die Kröten, Frösche und Lurche einzusammeln und sicher zu ihren Laichplätzen zu bringen. Allein im Kreis Lüneburg wurden in einer Nacht 700 Amphibien von den Helfern gesammelt. Der Einsatz ist dringend erforderlich: „Selbst bei einer nicht viel befahrenen Straße mit neun Autos pro Stunde liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit der Tiere schon bei unter 20 Prozent“, erklärt Nabu-Amphibienexperte Sascha Schleich. Autofahrer müssen sich daher in den kommenden Wochen auf Behinderungen einstellen, zeitweise werden von den Amphibien viel bewanderte Straßen vollständig gesperrt. Der Naturschutzbund bittet, auf den nicht gesperrten Straßen langsam und vorsichtig zu fahren, um die Tiere nicht zu gefährden.

Normalerweise ist die Wanderung der Kröten, Frösche und Molche Ende April, Anfang Mai, beendet. In diesem Jahr dürfte sich der Termin aufgrund dem späten Aufbruchs der Tiere allerdings nach hinten verschieben. „Tendenziell befinden sich viele Arten noch auf dem Hinweg“, erzählt Thüre.

Benjamin Gleue

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