Prozess

Angeklagter gesteht versuchte Vergewaltigung an 13-Jähriger

Hildesheim - Ein 20-Jähriger, der in Hildesheim am helllichten Tag eine 13-Jährige vergewaltigen wollte, muss sich seit Montag vor dem Landgericht für diese und weitere Taten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten sexuellen Kindesmissbrauch, versuchte Vergewaltigung, Nötigung sowie ein weiteres halbes Dutzend Straftaten vor.

Im Fall einer Verurteilung droht dem jungen Mann eine mehrjährige Haftstrafe. Weil auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus infrage kommt, schloss der Vorsitzende Richter die Öffentlichkeit zu Beginn des Prozesses aus. „Er ist aber im Wesentlichen geständig“, sagt Stephan Loheit, Sprecher des Hildesheimer Landgerichts.

Mann wurde nach mutmaßlicher Tat mit Handy fotografiert

Der mutmaßliche Täter macht einen aufgeräumten Eindruck, als er am Morgen den Gerichtssaal betritt. Im Saal legt er seine Personalien offen, bestätigt in knappen Worten Namen und Wohnort und dass er gelegentlich als Aushilfe arbeite, ansonsten aber von Hartz IV lebe.

Für viele Beobachter scheint es kaum vorstellbar, dass dieser Mann im September 2012 versucht haben soll, ein junges Mädchen zu vergewaltigen. Wenige Sekunden nach der mutmaßlichen Tat ist er aber fotografiert worden: von einem Zeugen mit einem Mobiltelefon. Auf dem Bild, das sich schnell im Internet verbreitete, stürmt ein Mann in schmutzigen Jeans und Bomberjacke auf den Fotografen zu. Wenig später rangen der Zeuge und zwei weitere Männer den 20-Jährigen nieder und übergaben ihn der Polizei.

Urteil am nächsten Verhandlungstag möglich

Ein Richter ordnete die Untersuchungshaft an. Später wurde der mutmaßliche Täter aus der JVA Hameln in das Ameos-Klinikum nach Hildesheim gebracht. Ob er wieder in der Psychiatrie landen wird, darüber wird die Strafkammer am Ende des Prozesses befinden.

Das Landgericht hat wegen der vielen Zeugen und Gutachter drei Prozesstage angesetzt. Weil der 20-Jährige die Taten weitestgehend einräumt, ist laut Gerichtssprecher Loheit auch ein Urteil am nächsten Verhandlungstag möglich.

Mann hatte immer wieder Frauen sexuell belästigt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hildesheimer fast ein Dutzend Taten vor, darunter den schweren sexuellen Missbrauch der Schülerin. In diesem Fall blieb es allerdings beim Versuch. Der Angeklagte soll das Mädchen an dem Tag gegen 9.15 Uhr abgepasst haben, als es in der Marienschule eine Musicalprobe besuchen wollte. Er presste die 13-Jährige an eine Schulmauer, zog ihr die Hose herunter und versuchte sie zu vergewaltigen. Dabei soll er sie auch ins Gesicht geschlagen und mit dem Tode bedroht haben. Aufgrund ihrer Schreie wurden die drei Zeugen, die ihn anschließend niederrangen, auf das Geschehen aufmerksam.

Der Mann hatte seit Mai 2011 immer wieder Frauen in Hildesheim sexuell belästigt. Am selben Tag, als er an der Marienschule auf die 13-Jährige traf, soll er in der Innenstadt aufgefallen sein. Dort soll er eine Frau gegen 6.20 Uhr auf den Po geschlagen und sie verfolgt haben. Die Frau suchte in einer Galerie Schutz, wo ihr Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma halfen. In weiteren Fällen soll der Mann sich entblößt und Frauen attackiert haben.

Prozess wird am 25. Februar fortgesetzt

Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft Diebstahl, Betrug, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung vor. So soll er unter anderem eine EC- und eine Kreditkarte gestohlen und damit mehrmals Geld abgehoben haben. Zudem soll er einen Dauerauftrag eingerichtet haben, bei dem monatlich 4000 Euro von einem anderen Konto abgebucht wurden. Der Prozess gegen den 20-Jährigen wird am 25. Februar fortgesetzt.

Christian Harborth

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