Costa Cordalis wird 70

„Anita“ für immer

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Mit sieben Jahren griff Costa Cordalis zum ersten Mal in die Gitarre, mit 16 kam er nach Frankfurt am Main und lernte Deutsch.

Karlsruhe - Costa Cordalis wollte die Menschen „auf andere Gedanken bringen“. Der Sänger mit den griechischen Wurzeln war damit erfolgreich, bis er von der Neuen Deutschen Welle überrollt wurde. Zu seinem 70. Geburtstag schenkt er sich und den Fans eine Autobiografie.

Ungezählt sind die schmachtenden Herzen, die Costa Cordalis in Sehnsucht nach fernen Ländern und feurigen Mädchen entflammt hat. Ebenso wenig messbar ist seine Bedeutung für den deutschen Schlager. Fest steht der Geburtstag: Am 1. Mai wird Costa Cordalis 70 Jahre alt.

In der Geschichte des deutschen Schlagers wird Cordalis in einem Atemzug genannt mit Ikonen wie Rex Gildo (mit diesem teilt er den Hang zur Verbreitung von Mexiko-Klischees), Roy Black oder Chris Roberts. Seine Werke verbinden sich zuverlässig mit Currywurst, Pommes und Bier, bekunden so nicht nur an seinem Wohnort Mallorca deutsche Identität.

Nüchtern betrachtet herrscht inzwischen zwar betonte Distanz zum Liedgut von Cordalis. Das kann bis zur Feindschaft gehen, wenn etwa wie 2009 im thüringischen Ilmenau zum Flashmob gegen eine Autogrammstunde in einem Kaufhaus aufgerufen wird - die Teilnehmer sollten Ghettoblaster mitbringen und „unsere „große Liebe“ zu Costa mit einem 5-Minuten-Tanz beweisen“. Sobald aber irgendwo jemand die zwei Zeilen anstimmt: „Ich fand sie irgendwo, allein in Mexiko“, wird er oder sie schnell Mitsänger finden, die mit Inbrunst in ein kräftiges „Anita“ einstimmen, mit übermäßig langem i, versteht sich.

Der Evergreen entstand 1976 auf dem Höhepunkt der Erfolgswelle des Sängers, der am 1. Mai 1944 in Mittelgriechenland geboren wurde. Mit sieben Jahren griff Cordalis zum ersten Mal in die Gitarre, mit 16 kam er nach Frankfurt am Main und lernte Deutsch. Seine Biografie vermerkt auch ein Studium der Philosophie und Germanistik, das er aber nicht abgeschlossen hat.

Im Wege waren da womöglich „Tränen in den Augen“: Die erste Schallplatte kam 1965 heraus. Vorbild war damals noch Elvis Presley mit „Crying in the Chapel“. Selbst produziert und bahnbrechend für den Erfolg war dann die Trilogie mit den besungenen Frauen Carolina (1973), Anna Lena (1974) und besagter Anita (1976). Allein mit diesem Titel seien mehr als zwei Millionen Platten verkauft worden, sagt Stefan Alberti, Ko-Autor der Ende Mai erscheinenden Costa-Cordalis-Autobiografie mit dem Titel „Der Himmel muss warten“. Insgesamt sind es mehr als zehn Millionen verkaufte Tonträger. Dabei heimste der Sänger zahlreiche Platin- und Goldauszeichnungen ein.

Sind die Liedtexte nicht ziemlich seicht? „Costa Cordalis geht damit ganz offen um“, antwortet Alberti. „Er will die Leute mit seinen Liedern mitnehmen, damit sie einmal abschalten und auf andere Gedanken kommen.“ So war Cordalis Anfang der 70er Jahre auch ein gefeierter Dauergast in den Konzerthallen der DDR, Tausende pilgerten damals nach Chemnitz oder Görlitz.

Abrupt abgebrochen schien die Karriere Anfang der 80er Jahre mit dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle. „Da hat er sich nicht verbiegen lassen und wollte an seinem Stil festhalten“, erklärt Alberti. Passend dazu der 1981 erschienene Song mit dem „Tag, als die Sonne nicht mehr kam“. Statt der Bühne bestieg Cordalis damals die Langlaufpisten, nahm sogar 1985 für Griechenland an der Nordischen Skiweltmeisterschaft im österreichischen Seefeld teil. Und 2004 ließ er sich in der Fernsehshow „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ zum „Dschungelkönig“ krönen und spendete das Preisgeld der Kinderkrebshilfe.

Seinen Geburtstag werde Cordalis im engen Familienkreis verbringen, sagt sein PR-Vertreter Christian Heinzl. Nach Stationen in Frankfurt und Freudenstadt lebt Cordalis seit etwa 2005 mit seiner Frau in Santa Ponsa auf Mallorca. Schon länger wird Costa Cordalis bei seinen musikalischen Produktionen von zwei seiner drei Kinder unterstützt, Lukas und Angeliki. Das vorerst letzte Album des Familienunternehmens Cordalis blickt nostalgisch auf die große Fiesta der deutschen Schlagermusik: „Damals in Mexico“.

Von Peter Zschunke/dpa

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