Prozess in Stade

Anklage fordert dreieinhalb Jahre Haft für Mutter toter Babys

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Foto: Auf dem Dachboden des Hauses in der Ortschaft Ostertimke (Niedersachsen) wurden im Juli 2012 zwei Babyleichen entdeckt. Die Mutter muss sich nun vor dem Landgericht Stade verantworten.

Stade - Zwei ihrer Kinder hat eine Mutter gleich nach der Geburt auf dem Dachboden versteckt. Mehr als zehn Jahre später werden die Leichen gefunden. Die Anklage sieht strafmildernde Umstände für die Frau.

Zwei verweste Babyleichen auf einem Dachboden haben im Juni 2012 in Ostertimke (Kreis Rotenburg) für Entsetzen gesorgt. Die Mutter hat die Säuglinge dort versteckt und soll nun nach dem Willen der Anklage zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt werden. Die 43-Jährige habe sich des versuchten und des vollendeten Totschlags schuldig gemacht, sagte Staatsanwältin Katrin Rosewick am Montag vor dem Landgericht Stade. In beiden Fällen sei von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit auszugehen. Die Angeklagte sei alkoholkrank und leide seit ihrer Jugend an einer Persönlichkeitsstörung. Strafmildernd sei zudem das Geständnis zu bewerten.Die Verteidigung plädierte auf eine zur Bewährung auszusetzenden Haftstrafe von zwei Jahren. Das Urteil soll am 23. Januar gesprochen werden.

"Mir tut das Geschehene unendlich leid. Wenn ich das rückgängig machen könnte, würde ich das gerne tun. Ich weiß, dass ich dafür bestraft werden muss", sagte die 43-Jährige, die mit ihrem zweiten Mann einen kleinen Sohn hat. In ihrer ersten Ehe wurden 1994 ein Sohn und 2001 eine Tochter geboren. Zwischen diesen Geburten kamen die beiden Babys zur Welt, die der Vater 2012 beim Aufräumen auf dem Dachboden des Hauses entdeckte. Die Ehe sei geprägt gewesen von Gewalttätigkeiten, sagte die Staatsanwältin. Der Ehemann habe weitere Kinder abgelehnt und gesagt, er würde sich in dem Fall einen Strick nehmen. Die Angeklagte habe dies geglaubt und die nächsten Schwangerschaften verdrängt. Sie sei damals schon "tief im Alkohol drin gewesen" und bei beiden Geburten stark alkoholisiert.

Bei dem 1996 geborenen Jungen habe nicht eindeutig geklärt werden können, ob das Baby bei der Geburt noch gelebt hätte, deshalb sei in dem Fall nur von einem versuchten Totschlag auszugehen. Beim etwa vier Jahre später geborenen Mädchen habe die Angeklagte ausgesagt, dass Kind habe nach der Geburt gewimmert. Beide Babys packte die Frau in Plastiktüten, eine Tasche und auch eine Kühlbox und versteckte sie auf dem Dachboden.

Der Verteidiger zeichnete in seinem Plädoyer das Leben seiner Mandantin nach. Im Elternhaus habe es keine Gefühle von Liebe gegeben. "Ihre Kindheit war geprägt von der Angst vor dem Suizid der Mutter", die immer wieder mit Selbstmord gedroht habe. Die Angeklagte habe immer den Wunsch nach einer heilen Familie gehabt. Doch auch die erste Ehe sei eine Beziehung mit fehlender Liebe und fehlendem Geld gewesen. "Sie fühlte sich einsam, alleingelassen und begann zu trinken." Seine Mandantin habe jetzt eine neue Familie, und das Leben sei so, wie sie es sich immer erträumt habe, sagte er. "Mit dem Fund holte die Angeklagte die Vergangenheit ein."

dpa

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