Landgericht Oldenburg

Anklage wegen Untreue gegen Ex-Polizeichef

Hannover - Der frühere Polizeichef von Wilhelmshaven soll sich demnächst vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den Leitenden Kriminaldirektor wegen besonders schwerer Untreue angeklagt. Sie wirft Hans-Henning von Dincklage 90  Fälle vor.

Das erklärte Oberstaatsanwältin Frauke Wilkens am Mittwoch. „Wir haben den Verdacht, dass er sich mehrfach unrechtmäßigerweise in einem Dienstwagen hat fahren lassen.“

77-mal hat von Dincklage sich laut Anklage morgens in seiner Privatwohnung in Oldenburg von einem Fahrer abholen, zur Polizeiinspektion nach Wilhelmshaven fahren lassen und abends wieder zurück. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft durfte von Dincklage das nicht: „Regelmäßige Fahrten vom Wohnort zum Dienstsitz sind Privatfahrten“, erklärte Oberstaatsanwältin Wilkens. Hinzu kommen 13 „sonstige Privatfahrten im Dienstwagen“, zu denen sich Wilkens gestern nicht konkret äußern wollte.

Mehr als zwei Jahre haben die Ermittlungen gedauert. Von Dincklage wurde im April 2013 vom Dienst suspendiert, kurz nachdem Innenminister Boris Pistorius den Oldenburger Polizeipräsidenten ausgetauscht hatte. Dincklage bestreitet die Vorwürfe. Außerdem habe der damalige Polizeipräsident, Hans-Jürgen Thurau, die Fahrten gebilligt. Gegen Thurau wird ebenfalls seit 2013 wegen möglicher Dienstwagenvergehen ermittelt. Die Ermittlungen laufen noch. Über die Annahme der Anklage gegen von Dincklage muss nun noch das Landgericht entscheiden.

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