Umweltstudie

Antibiotika aus Tiermast im Grundwasser

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Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist umstritten.

Hannover - Das Bundesumweltamt hat eine Studie zu Antibiotika aus der Tiermast im Grundwasser vorgelegt. Die gute Nachricht: Nur selten ist der Wirkstoff im Wasser nachweisbar. Aber in Niedersachsen wurde an fünf Stellen erhöhte Konzentration gemessen.

Pünktlich zum heutigen Weltwassertag hat das Umweltbundesamt eine Studie zu Antibiotika aus der Tierhaltung im Grundwasser veröffentlicht. Die gute Nachricht: Nur selten ist der Wirkstoff im Wasser nachweisbar. Messungen an 48 Orten in vier Bundesländern hätten in 39 Fällen keinerlei Hinweise auf eine Belastung ergeben, teilte das Bundesamt mit. An sieben Stellen wurden niedrige Konzentrationen gemessen - davon fünf in Niedersachsen. Allerdings wurden hier auch an zwei Stellen Antibiotika in hohen Konzentrationen entdeckt. Davon liegt eine nahe Bösel im Landkreis Cloppenburg. Bislang ist nicht geklärt, warum der Wert so erhöht war. Klar ist nur, dass dort Schweine und Hähnchen gemästet werden. Außerdem lag laut Studie zeitweilig ein Geflügelmisthaufen in der Nähe der Messstelle.

Antibiotika werden in der Intensivtierhaltung in großem Umfang eingesetzt, vor allem bei Schweinen und Geflügel, aber auch bei Rindern. 2012 wurden rund 1600 Tonnen an Tierärzte abgegeben. Einen Großteil der Stoffe scheiden die Tiere unverändert wieder aus. Kommt so belastete Gülle auf die Felder, gelangen die Arzneimittel auch in die Umwelt. Wie sie sich dort auswirken, ist nach Angaben des Bundesamtes nicht abschließend geklärt.

Bei den Untersuchungen wurde auch der Wert des Sulfamethoxazol gemessen, ein Stoff, der schon lange auf dem Markt und deshalb nicht auf Umweltrisiken geprüft ist. Eine solche Prüfung für Tierarzneimittel ist erst seit 2005 Pflicht. Das Umweltbundesamt fordert eine stärkere Überwachung von Gewässern und einen Grenzwert für Tierarzneimittel, der sich an dem für Pflanzenschutzmittel orientiert. Der Wert liegt bei 100 Nanogramm pro Liter. Würde es einen solchen Grenzwert für Antibiotika geben, wäre der in Bösel fast um das Zehnfache überschritten worden.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sieht trotz der guten Ergebnisse des Gutachtens Handlungsbedarf: „Antibiotika im Grundwasser sind ein Alarmsignal. Auch geringe Mengen können nicht akzeptiert werden“, sagte Wenzel am Freitag. Er sei sich mit dem Landwirtschaftsminister Christian Meyer (beide Grüne) einig, dass der Antibiotikaeinsatz nur noch auf das erforderliche Maß, also vor allem auf tatsächlich erkrankte Tiere, beschränkt werden muss.

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