Besetzung der Herderschule

Antifa fordert mit Schulbesetzung neues Jugendzentrum in Bückeburg

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Foto: Die Besetzung der Herderschule in Bückeburg durch die Antifa ist am Donnerstagabend von den Besetzern freiwillig beendet worden.

Bückeburg - Die Besetzung der Herderschule durch die Antifa ist noch am späten Donnerstagabend von den Besetzern beendet worden. Ab 22 Uhr verließen die bis zu 19 Jugendlichen nach und nach freiwillig das Gebäude durch den Haupteingang, wo die Polizeibeamten noch die Personalien der Besetzer feststellten.

Wie zwischen dem Landkreis Schaumburg als Eigentümer des Gebäudes und den Besetzern vereinbart, verzichtet der Landkreis auf eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch, da die Besetzung vor Ablauf eines Ultimatums beendet wurde, das auf Mitternacht festgesetzt worden war.

„Wir sind heilfroh, dass die Besetzung freiwillig beendet werden konnte und es zu keiner Zwangsräumung gekommen ist“, zeigte sich der Pressesprecher des Kreises, Klaus Heimann, erleichtert über den Ausgang. Am Abend sei noch länger verhandelt worden und Zusicherungen auch in Hinblick darauf gegeben worden, dass keine Schäden verursacht worden sind.

Gegenüber unserer Zeitung erneuerte Heimann einen weiteren wesentlichen Punkt der Verhandlungen, dass es nun „schnellstmöglich“ zu Gesprächen zwischen Kreis, Stadt und der Antifa kommen wird, um die Forderung der Besetzer nach einem alternativen Jugendzentrum für Bückeburg auch als Schutzraum gegenüber den Übergriffen der Neonazis kommen wird. Bis Mitte Januar soll das Gespräch stattfinden, wie auch Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte – unter Einbeziehung von Stadtjugendpflege und Kreisjugendpflege.

Inhaltliche Zusagen seien in den Verhandlungen nicht gemacht worden, sagte Heimann. „Für uns als Landkreis ist die Besetzung sehr überraschend gekommen“, sagte er weiter. Inhaltlich sei an den Kreis nie mit solchen Forderungen herangetreten worden, zumal es auch Aufgabe der Stadt ist, die Probleme zu lösen.

Was die Stadt auch machen will, wie der Bürgermeister sagte. Dem Forderungen nach „einem Rückzugsraum von 200 Quadratmeter Größe“ seitens von Jugendlichen und Heranwachsenden aus dem linken Spektrum bekannt sind. Es gehe darum, „nicht hier oder da Sonderräume“ zu gründen, zumal es in der Jugendfreizeitstätte durchaus genügend Platz gebe, um auch für die Bedürfnisse der älteren Jugendlichen entsprechende Räumlichkeiten einzurichten. Es gehe darum, alle demokratischen Kräfte zu bündeln und Demokratie festigend zu arbeiten: „Wir haben ein elementares Interesse, das sich gegen jede Form von Extremismus richtet, insbesondere gegen rechten Extremismus.“

Arbeit, die der Jugendfreizeitstätte durchaus schon passiere. Und dass die Jugendfreizeitstätte auch von älteren Jugendlichen angenommen und genutzt werde, zeige zum Beispiel das vor Kurzem gefeierte 30-jährige Bestehen, als auch zahlreiche Jugendliche und Heranwachsende dabei waren. Aber: „Wenn der Bedarf gesehen und gemeldet wird, sind wir bereits zu diskutieren und Lösungen zu finden. Wir stehen zu dem Gespräch sofort bereit.“

Wie berichtet hatte eine Gruppe von Jugendlichen und Heranwachsenden, Mitglieder und Sympathisanten des Antifa Infoportals Weser-Deister-Leine in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen Trakt der Schule besetzt und ein selbst verwaltetes Zentrum Bückeburg gefordert. Der Bückeburger Jugend solle dort die Möglichkeit gegeben werden, sich frei zu entfalten, politisch weiter zu bilden und die Freizeit selbst zu gestalten. Das Zentrum solle für alle Interessierten zugänglich sein, mit deutlicher Distanzierung zu rechtem Gedankengut und jeglichen Ausgrenzungsmechanismen. Zudem müsse das Zentrum als Schutzraum für die Betroffenen der Nazigewalt zur Verfügung stehen. Viele Jugendliche würden beinahe täglich mit rechter Gewalt konfrontiert.

4 Für die Prüfung der möglichen Nachnutzung der Herderschule hat die Stadt 20.000 Euro Planungskosten im Haushalt 2013 bereitgestellt. Damit soll geprüft werden, welche Nutzung für das Gebäude, den Pausenhof, aber auch den angrenzenden Neumarktplatz in Betracht kommt. Seitens der Stadt gibt es Überlegungen, die Jugendfreizeitstätte in die Herderschule zu verlegen, Platz für einen Kindergarten zu schaffen sowie eine Multifunktionsanlage für die Kernstadt zu bauen (wir berichteten). Wenn es sich denn rechnet. Denn letztlich hat der Landkreis Schaumburg die Herderschule auch aufgegeben, weil sich das Gebäude nur noch mit erheblichem Aufwand sinnvoll energetisch sanieren ließ.

rc

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