Insvolvenz angemeldet

MS Astor droht die wirtschaftliche Havarie

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Bremen - Kreuzfahrten sind eigentlich ein wachsender Wirtschaftszweig. Doch nicht alle Anbieter profitieren davon. Nach der MS Deutschland droht nun auch der MS Astor die Havarie: Der Schiffseigner musste Insolvenz anmelden.

Die MS Astor ist gerade auf dem Weg Richtung Australien. Dort wird das Kreuzfahrtschiff in den Wintermonaten unterwegs sein. Noch bevor das Schiff sein Ziel erreicht hat, ereilte die 250-köpfige Crew und die Passagiere die Nachricht, dass der Eigner "Premicon Hochseekreuzfahrt GmbH & Co. KG MS Astor" Insolvenz beantragt hat. Da die MS Astor zuletzt unzureichend ausgelastet gewesen sei, sei die Schiffsgesellschaft zahlungsunfähig, teilte der von den Banken und der Geschäftsleitung der Premicon AG eingesetzte Generalbevollmächtigte Sven Lundehn mit. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Bremen den Anwalt Ralph Bünning.

Ganz überraschend kommt der Insolvenzantrag nicht: Im Oktober konnte nur durch eine Finanzspritze von der Muttergesellschaft des derzeitigen Charterers Cruise & Maritime Voyages verhindert werden, dass das 176 Meter lange Schiffes an die Kette gelegt wurde. Lundehn versichert, dass nun trotz des Insolvenzantrags die Gehälter für die Crew, der Treibstoff und die Hafengebühren bezahlt würden. "Der laufende Schiffsbetrieb ist gesichert", betont Lundehn. "Die Passagiere werden keinen Unterschied merken." Es ist nicht das erste Mal, dass ein Eigner mit nur einem oder zwei Kreuzfahrtschiffen Insolvenz anmelden muss: Zuletzt geriet das als ZDF-"Traumschiff" bekannt gewordene Kreuzfahrtschiff MS Deutschland in arge Finanznöte. Und weil die MS Azores nicht genügend Buchungen hatte, stellte Ambiente Kreuzfahrten den Betrieb ein.

Dabei erfreuen sich Hochseekreuzfahrten großer Beliebtheit. 2013 unternahmen 1,69 Millionen Deutsche eine solche Reise, 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch davon profitieren vor allem die großen Anbieter: Aida Cruises expandiert kräftig, die Kreuzfahrtmarke TUI Cruises ("Mein Schiff") will ihre Flotte bis 2017 von drei auf sechs Schiffe verdoppeln. Auch die hiesigen Schiffsbauer - allen voran die Papenburger Meyer Werft - haben pralle Auftragsbücher. "Der Markt wird von den großen Konzernen dominiert, die weltweit agieren", sagt der Professor für Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, Torsten Kirstges.

Der Markt wachse zu stark, so dass kleine Anbieter Schwierigkeiten hätten mitzuhalten. Das mache sich schon bei der Vermarktung bemerkbar: "Der Aida-Katalog mit mehreren Schiffen findet eher seinen Platz im Reisebüro als ein Anbieter mit nur einem Schiff", so Kirstges. Da immer mehr Schiffe gebaut würden, steige auch der Wettbewerbsdruck in der Branche. "Die Reisen sind längst nicht mehr so hochpreisig wie vor 10 bis 15 Jahren", sagt der Tourismus-Experte. Da die Fixkosten enorm seien, müsse ein Schiff mindestens zu 80 Prozent ausgelastet sein, um sich zu rechnen. Wer nur ein Schiff habe, könne schlechte Buchungen nicht mit besser laufenden Schiffen ausgleichen.

Kleine Kreuzfahrtschiffe wie die MS Astor mit 580 zugelassenen Passagieren könnten zudem nicht mit den modernen Hotelschiffen mit mehreren Pools, großen Shoppingmals, Theatern und Kletterwand mithalten. "Sie müssen dafür im Ausgleich ihre persönliche Note herausstreichen", sagt Kirstges. Manche Kreuzfahrer suchten sich ganz bewusst kleine Schiffe mit weniger Trubel aus. Auch die Spezialisierung auf bestimmte Gruppen könnte für Kleine ein Weg sein, sich am Markt zu halten. Sogenannte Gay- oder FKK-Kreuzfahrten seien Marktnischen. Ansonsten bliebe für kleine Anbieter nur die Möglichkeit, ebenfalls zu wachsen oder in einem großen Konzern aufzugehen.

dpa

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