Einsatz mit Suchhunden und Polizeitauchern

Asylbewerber tot aus Kiessee Rosdorf geborgen

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Foto: Polizeitaucher haben den Rosdorfer Kiessee abgesucht – für den jungen Mann aus dem Sudan kam aber jede Hilfe zu spät.

Rosdorf - Nach dem tragischen Badeunfall am Mittwoch ist am Donnerstag die Leiche des 19 Jahre alten Asylbewerbers aus dem Sudan von Polizeitauchern aus dem Rosdorfer Kiessee geborgen worden. Zehn Meter vom Ufer entfernt wurden die Taucher fündig.

Zwei Suchhunde hatten von einem Schlauchboot aus mitgeholfen, nach dem Vermissten zu suchen. Die Tiere hatten unabhängig voneinander an der späteren Fundstelle angeschlagen – noch in dem Bereich, in dem der junge Mann am Mittwoch um Hilfe gerufen hatte und aus bislang ungeklärter Ursache untergegangen war. Gestern Nachmittag fanden Taucher den Körper des Mannes in einer Tiefe von etwa 20 Metern auf dem Grund des Sees.

Die genaue Todesursache wird noch ermittelt. Der Leichnam wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Feuerwehren hatten ihre Suche am Mittwochabend bei Einbruch der Dunkelheit abgebrochen. Am Donnerstag übernahmen dann Polizeitaucher die weitere Suche.

Kalte Strömungen im See

Taucher aus Hannover und Spezialhunde der Polizeidirektionen aus Hildesheim und Göttingen halfen bei der Suche an der Unglücksstelle. Der See ist bis zu 30 Meter tief, er soll kalte Strömungen aufweisen.

Inzwischen steht fest, dass die vier schwarzafrikanischen Asylbewerber am Mittwoch in dem See schwimmen waren. Erste Annahmen, sie seien mit einem Schlauchboot auf den See gepaddelt, bestätigten sich nicht. Der 19-Jährige, von dem nicht bekannt ist, ob er überhaupt schwimmen konnte, soll gegen 16.35 Uhr etwa zehn Meter vom Ufer entfernt plötzlich untergegangen sein, nachdem er zuvor noch um Hilfe gerufen hatte. Zeugen informierten daraufhin sofort die Rettungskräfte.

Seit Jahren Debatte um Badeerlaubnis

Mittlerweile hat der zentrale Kriminaldienst der Polizei die weiteren Ermittlungen übernommen. Wie berichtet, hat es in den vergangenen Jahren Debatten um die Frage gegeben, ob in dem See das Baden erlaubt sein soll oder nicht. Der noch in Betrieb befindliche Baggersee liegt in der Gemeinde Friedland. Sie hat das Baden in dem Gewässer ausdrücklich verboten.

Von Jürgen Gückel

Immer wieder kommen Flüchtlinge in Badeseen ums Leben

Viele Menschen in den Ländern, aus denen derzeit Flüchtlinge nach Deutschland kommen, können nicht schwimmen. Das zeigt sich auch bei den Untergangstragödien im Mittelmeer. Doch selbst in Deutschland ertrinken immer wieder Flüchtlinge – beim Baden. So starben allein in den vergangenen Wochen fünf junge Asylbewerber – aus Afghanistan, Eritrea, Palästina, Syrien und dem Senegal – in Badeseen in Bayern.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Bayern zieht aus diesen Unfällen Konsequenzen und will solche Vorfälle nun durch Schwimmkurse für Flüchtlinge verhindern. Schwimmen sei vielen dieser Flüchtlinge „völlig fremd“, meint Leonhard Stärk, Geschäftsführer des bayerischen Roten Kreuzes. Entweder gebe es in diesen Ländern kaum Wasser, oder in ihnen lebten oft gefährliche Tiere wie beispielsweise Krokodile.

In Niedersachsen war diese Gefahr bis zum dem wahrscheinlichen Wassertod des 19-jährigen Sudanesen kein Thema. Im Aufnahmeverfahren sei nach Schwimmfertigkeiten bislang nicht gefragt worden, sagt Heinrich Hörnschemeyer, Leiter des Erstaufnahmelagers in Friedland – auch, „weil dieser Aspekt keine Rolle für das Aufnahmeverfahren spielt“.

Von entsprechenden Hilfsangeboten für Flüchtlinge wie in Bayern ist der
 Göttinger DRK-Vizechefin Sigrid Wegner in Niedersachsen bislang nichts 
bekannt. Allerdings räumt sie ein: „Wir müssen uns Gedanken machen.“ Selbst Einheimischen sei nicht immer bewusst, welche Gefahren durch Untiefen oder plötzlichen Kontakt mit sehr kalten Wassermassen auch in friedlich aussehenden Badeseen entstünden: „Man kann sehr schnell heruntergezogen werden.“ hein

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