Katastrophenschutzübung

Atomkraftwerk Grohnde übt für den Ernstfall

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Foto: Duschen will gelernt sein: Ein Feuerwehrmann bei der Katastrophenübung in Grohnde.

Grohnde - Keine Panik, es ist alles nur eine Übung. Behörden proben im Atomkraftwerk Grohnde, wie sie im Ernstfall die Bevölkerung retten. Die bleibt bei der Übung allerdings außen vor.

Alles gut, kein Grund zur Panik. Die Vertreterriege des Energielieferanten e.on, die im Besucherzentrum des Atomkraftwerks Grohnde bei Tee und Keksen Platz genommen hat, gibt sich betont entspannt. „Es kann ja nichts passieren“, lautet der Tenor. Derweil proben am Sonnabend mehr als 200 Feuerwehrleute, Polizisten und Behördenmitarbeiter für den Ernstfall. „Abläufe zu üben ist schon sehr wichtig“, sagt Petra Uhlmann, Sprecherin von e.on Kraftwerk Hannover. „Aber wir können uns so etwas nicht vorstellen.“ So etwas - damit meint Uhlmann einen Reaktorunfall.

Die Energiekonzernvertreter sind sich einig: Aus dem AKW Grohnde nahe Hameln könnte niemals ein zweites Fuku­shima werden. Alles bestens gesichert: Mit erhöhten Podesten sei man gegen Überflutungen gewappnet, und die Betonwände würden sogar dem Absturz eines Kampfjets standhalten. Der Technische Leiter Walter Böwing schätzt, dass den Wänden selbst ein Airbus 380 nichts anhaben könnte. So ganz festlegen will er sich da aber nicht. Das müsse erst geprüft werden. Aber alles in allem sei das Kraftwerk sicher. Es sei denn, der Strom würde für drei Tage ausfallen. Was dann? Der Einwand ist schnell beiseitegewischt.

Im rund acht Kilometer entfernten Hameln ist zur selben Zeit die Stimmung alles andere als gelassen. Dort geht es um Leben und Tod - jedenfalls in der Theorie. Unter der Leitung der Polizeidirektion Göttingen proben die Katastrophenschutzstäbe von Landkreisen, Polizei und Feuerwehr in den Räumen des Kreisverwaltungsamtes für den GAU. Wie wird beim Austritt von Radioaktivität das Gebiet für eine Evakuierung festgelegt? Wie wird die Bevölkerung informiert? Apropos: Wo ist überhaupt die Bevölkerung?

Umweltschützer schütteln den Kopf über den Ausschluss der Bürger bei der Übung. „Man will den Bevölkerungsschutz ohne Bevölkerung organisieren“, sagt Tobias Darge von der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“. „Weder wird sie an der Übung beteiligt, noch soll sie sehen, was sie bei einer Katastrophe erwartet.“ So sei die Bitte, einen Vertreter der atomkraftkritischen Ärzteorganisation IPPNW bei der Übung als Beobachter zuzulassen, abgelehnt worden.

Und so sind die Katastrophenschützer im Hamelner Kreisverwaltungsamt unter sich. Dort geht es zu wie im Film: In einem großen Saal sitzen die Chefs der Behörden zusammen. Es herrscht geschäftiges Treiben, jedoch unter höchster Konzentration. Auf den Tischen stapeln sich Papierberge, die Wände sind vollgepinnt mit Plänen. Auf einer Leinwand sieht man den Ausbreitungsgrad der radioaktiven Wolke in einem Radius von 25 Kilometern. Es ist ein fiktives Szenario, das hier erprobt wird, und doch sind alle mit großem Ernst bei der Sache. Schließlich haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass die Sorge vor einem atomaren Unfall in der Bevölkerung groß ist. Breit war der Bürgerprotest, als Ende September Mox-Brennelemente mit hochgiftigem Plutonium aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield im Grohnder Kraftwerk eingebaut worden sind.

Die Ergebnisse der Übung wollen die Polizeidirektion Göttingen und der Landkreis Hameln-Pyrmont bis Dezember auswerten. Schon jetzt steht für den der Göttinger Polizeipräsidenten Robert Kruse ein Teilerfolg fest: „Solch eine Übung fördert den Austausch und die Abstimmung zwischen den Behörden.“

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