Protest gegen Brennstäbe-Einsatz

Atomtransport erreicht Grohnde am Montag

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Foto: Aktivisten protestieren am Atomkraftwerk Grohnde gegen den Transport von Mischoxiden (MOX).

Nordenham/Grohnde - Acht plutoniumhaltige Brennstäbe sind auf dem Weg ins AKW Grohnde bei Hameln. Die Speziallastwagen sollen vermutlich am frühen Montagmorgen ankommen. Der Transport wird von Protesten begleitet.

Der zwischenzeitlich vom Radarschirm verschwundene Frachter „Atlantic Osprey“ ist wieder da. Am späten Sonntagnachmittag hat das Schiff mit plutoniumhaltigen Brennstäben an Bord den Hafen Nordenham erreicht. Von dort aus wurden acht Brennelemente aus dem britischen Sellafield mit zwei Speziallastwagen am Abend zum Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln transportiert. Ihre Ankunft wurde für die Nacht zum Montag erwartet. Normalerweise ist die Strecke über Autobahn und Bundesstraße in drei Stunden zu schaffen. Die Lastwagen dürfen eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h fahren.

Der Transport am Sonntag war der erste Transport mit Mischoxid-Brennelementen (Mox) nach Niedersachsen seit Ende der achtziger Jahre. Die Brennstäbe stammen aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield. Für diesen Herbst sind zwei Transporte geplant.

Begleitet worden war der Frachter „Atlantic Osprey“ in der Wesermündung von vier Polizeischiffen - und zahlreichen Protesten. Rund 50 Greenpeace-Aktivisten waren in Schlauchbooten und Kajaks unterwegs, einige von ihnen umrundeten das Schiff. An Land standen Hunderte Demonstranten und Schaulustige. Nach Angaben der Polizei konnte die „Atlantic Osprey“ ohne größere Zwischenfälle anlegen.

Greenpeace hält den Einsatz von plutoniumhaltigen Brennstäben in Atomkraftwerken für hochgefährlich. Ein Atomunfall sei mit diesen Brennelementen wahrscheinlicher und hätte schlimme Auswirkungen auf die Menschen, sagte Atomphysiker und Greenpeace-Experte Heinz Smital gestern. Der Atomunfall von Fukushima, bei dem in einem Meiler auch Mox-Elemente im Einsatz gewesen seien, hätte die verheerenden Folgen aufgezeigt. Danach müssten auch die plutoniumhaltigen Brenn-stäbe aus der „skandalträchtigen Anlage Sellafield“ entsorgt werden, forderte Smital. In Sellafield werden Brennstäbe aus deutschen Anlagen wiederaufgebereitet. Es sei zu befürchten, dass die Brennstäbe aus Sellafield defekt seien, sagte eine Greenpeace-Sprecherin. Sie müssten eigentlich in Grohnde gleich als Müll zwischengelagert werdenr.

Am Zielort des Transports, in Grohnde, hatten Atomkraftgegner schon seit Sonnabend eine Mahnwache abgehalten. Am Sonntagabend versammelten sich vor dem Gelände des Kernkraftwerkes rund 60 Demonstranten. Vier Personen hatten sich an einem meterhohen Dreibein angekettet, um den Lastwagen den Weg zu versperren. Plutonium sei hochgiftig, sagte Tobias Darge von der Initiative „Grohnde abschalten“. Wer auch nur kleinste Mengen einatme, könne an Krebs erkranken. Der Einsatz von Mox-Brennstäben müssten im Atomgesetz dringend verboten werden, forderten die Atomkraftgegner. Die Polizei zeigte Stärke. Ihre Mannschaftswagen standen überall. Die Bereitschaftspolizisten kommen aus Hannover, Northeim, Göttingen, Osnabrück und Braunschweig. Staatsschützer mit Ferngläsern saßen in Zivilwagen und beobachteten die Szene.

Der Energiekonzern e.on, der das Kernkraftwerk bei Hameln betreibt, hat angekündigt, bei der nächsten Revision im Atomkraftwerk Grohnde, die vermutlich im kommenden Frühjahr stattfinden wird, die Mox-Elemente aus Sellafield einsetzen zu lassen. Laut Greenpeace zeigt sich erst dann, ob die Brennstäbe in Ordnung oder schadhaft sind. Defekte Brennstäbe müssten dann im Abklingbecken gelagert werden. Castorbehälter seien für schadhafte Brennstäbe nicht zulässig, sagte eine Greenpeace-Sprecherin. e.on setze auf sehr veraltete Atomtechnik, kritisierte Smital.

Saskia Döhner/Ulrich Behman

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